Ausstellungen: Köln , 2014

Jürgen Raap

Friedrich Schröder-Sonnenstern

»Zeichnungen«

Michael Werner Kunsthandel, Köln, 31.1. – 22.3.2014

André Breton, Kopf der Pariser Surrealistengruppe, gehörte zu jenen prominenten Intellektuellen, die dem Maler Friedrich Schröder-Sonnenstern zu dessen Lebzeiten Bewunderung zollten. Die meisten Berliner Mitbürger hielten ihn allerdings eher für ein kauziges Original. Zu malen bzw. zu zeichnen begann Friedrich Schröder-Sonnenstern erst 1949 im Alter von 57 Jahren. Bis 1958/59 schuf er dann rund 120 Blätter, deren kunsthistorische Bedeutung unbestritten ist. Die Galerie Michael Werner präsentiert ein Konvolut von frühen Arbeiten aus dem Zeitraum 1950-1952, darunter eine erste kleinformatige Bleistiftzeichnung mit Sonnensternmotiv. In dieser Ausstellung lässt sich die Werkentwicklung der folgenden Jahre gut nachvollziehen, denn der Künstler ging bei der Ausmalung seiner Figuren mit Farbstiften zusehends differenzierter und nuancierter vor. Wirken manche der ersten Arbeiten mit ihrer Detailfreude noch geradezu überladen, so konzentriert er sich später oft nur noch auf eine oder zwei dominante Figuren im Bildraum. In Schröder-Sonnensterns Bildwelt offenbart sich ein bizarres Kabinett von Phantasiegestalten wie „Prof. Dovedot“, dem „dreifachen Mondweltmeiser“ in allen möglichen Kunstdisziplinen, oder den „Lachenden Leuten ohne Ende“, die das Kassenschild von „Salutor’s Marionetten-Theater“ anpreist. Affen, Würste, Hybrid-Wesen und Dompteure mit Peitsche ziehen sich wie ein roter Faden durch die Ikonografie.

Der legendäre Berliner Galerist Rudolf Springer erkannte alsbald das ungewöhnliche Talent und versorgte Schröder-Sonnenstern mit Zeichenkartons in größerem Format. Was der Künstler auf diesen Bögen an Fabelwesen zeichnete, halb Mensch, halb Tier, und mit deutlich betonten männlichen oder weiblichen Geschlechtsmerkmalen, mochte manchen Zeitgenossen in den spießigen 1950er Jahren verstört haben, erwies sich im Kunsthandel allerdings als äusserst…

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