Ausstellungen: Hannover , 2018

Guerilla Girls

The Art of Behaving Badly
kestnergesellschaft 26.01. – 08.04.2018
von Sabine Maria Schmidt

Seit über dreißig Jahren arbeiten die „Guerilla Girls“ daran, die Kunstwelt etwas inklusiver zu machen. Einige ihrer Poster sind zu Klassikern geworden, genau wie die Gemälde, die sie darin verballhornen. Müssen Frauen nackt sein, um ins Museum zu kommen?, fragten sie 1989 provokativ mit ihrer knallig-gelben Poster-Collage. Darin hatte Ingres Aktdarstellung Die große Odalisque einen bissigen Affenkopf und überraschende, statistische Zusatzinformation erhalten.

Eine überaus einseitige Überblicksausstellung des New Yorker MOMA gab 1984 den Anlass für dieses ganz neue Format feministischer Kunstkritik, das mit spektakulären oder klandestinen Aktionen und Interventionen international für Aufsehen sorgen sollte. Nur 13 Künstlerinnen unter 165 Positionen waren damals in der Show vertreten. Noch bitterer war das Statement des (übrigens farbigen und aus Trinidad stammenden) Kurators Kynaston McShine (1935 – 2018): „Jeder Künstler, der nicht in seiner Show vertreten sei, solle doch bitte seine Karriere überdenken“. Seither klopfen die „Guerilla Girls“ mit pointierten, bisweilen humorvoll-absurden Statistiken und Gegenüberstellungen die Ausgrenzungsmechanismen des Kunstbetriebs ab. „Weenie counts“ nennen sie ihre Aufzählungen, in denen sie schlicht und einfach vergleichen und gegenrechnen. In den letzten Jahren richten sie sich gerne an die superreichen Finanzakteure und Sammler, die die Machtverhältnisse erneut verschoben haben. „Diese kaufen nicht nur genau die Blue-Chip-Kunst, die zu ihren Werten passt, sondern spiegeln ihre Interessen als einflussreiche Sponsoren und Repräsentanten in Museumboards auch in öffentlichen Institutionen’, so Frida Kahlo in einem amüsanten Interview mit Stephen Colbert in der „The Late Show“…


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