Gespräche mit Galeristen · von Marius Babias · S. 435
Gespräche mit Galeristen , 1995

Guten Appetit!

Zwei Jahre in Berlin

Marius Babias sprach mit Max Hetzler

Max Hetzler galt in den achtziger Jahren als wichtigster deutscher Galerist. Seine Künstler – Martin Kippenberger, Albert Oehlen, Günther Förg oder Jeff Koons – dominierten jahrelang den Kunstbetrieb. Vor zwei Jahren zog er von Köln nach Berlin. Mit Partner Helge Achenbach will er – zusätzlich zur Galerie – eine Kunstberatungsfirma gründen, um am Berliner Bauboom zu verdienen.

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M. B.: Es kursieren viele Spekulationen und Gerüchte über Ihre Tätigkeit in Berlin. Man munkelt, Sie statten Büros mit Bildern aus, beraten Unternehmen und machen große Kasse mit Kunst am Bau.

M. H.: Die Kunstwelt lebt von Gerüchten. Gossip ist ein beliebtes Gesellschaftsspiel. Wenn es keine Neuigkeiten gibt, dann erfindet man sie eben. Ich stelle Künstler aus, kaufe und verkaufe Kunst wie jeder Galerist. Speziell in der Hauptstadt Berlin bietet es sich aber an, Kunst im öffentlichen Raum zu plazieren. Leider ist mir das noch nicht gelungen.

Betreiben Sie nun Art Consulting oder nicht?

Ich sehe Art Consulting auch als eine Aufgabe des Galeristen. Ich wehre mich nicht gegen eine Zusammenarbeit mit Architekten, Bauherren oder Banken. Aber ich habe es bisher nicht vermocht, Gerhard Merz, den ich vertrete, einen Auftrag im öffentlichen Raum zu verschaffen. Von Philip Taaffe habe ich ein Bodenmosaik für ein Bauprojekt in Leipzig vorgeschlagen. Diesen Auftrag hat Joseph Kosuth bekommen, den ich nicht vertrete.

Wenn ein Wettbewerb ausgeschrieben wird, bewerben Sie sich dann ganz ordentlich darum?

Die Praxis ist viel banaler. Jeder Bauherr hat Berater, von der Ehefrau bis zum Museumsdirektor. Dazwischen tummeln sich Galeristen…

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