Ausstellungen: Dortmund · S. 262
Ausstellungen: Dortmund , 1986

Stephan Schmidt-Wulffen

Hübsch-häßlich

Ina Barfuss und Thomas Wachweger

Museum am Ostwall, Dortmund, 10.11.1985-22.12.1985
Ulmer Museum, 2.2.-9.3.1986

»Oxymoron«, weiß das Lexikon, »ist eine anscheinend sinnlose Verbindung von sich widerstreitenden Begriffen«. ‚Hübsch häßlich‘ wäre so eine Formulierung, die mit bösem Hintersinn falsche Götzen von den Podesten stürzen kann. ‚Hübsch häßlich‘ sind die beiden Wörter, die einem ein fallen, bevor man vor den Bildern von Ina Barfuss und Thomas Wachweger selbst vom Podest allzu sicherer Urteilskriterien stürzt. Wolfgang Max Faust, der diese erste umfassende Ausstellung der beiden Künstler organisierte, bringt das Gefühl in seinem präzisen Katalogbeitrag auf eine verständlichere Formel: »Strategien der Verweigerung paaren sich mit Strategien der Verführung«. »Die Zeitbombe« nennt Wachweger das wohlkomponierte Bild einer umgekehrten Weinflasche. Schöne Schatten, süffige Farben, ein bißchen sonniger Süden, aber daneben tickt der Zeitzünder. Alkoholismus, hübsch drappiert, häßlich in der Wirkung. »Gescheiterte Hoffnung« nennt Ina Barfuss ihr Gemälde von 1984. Ein Anker hat das menschliche Wesen in die Gesellschaft mies dreinblickender Fische gebracht. Immerhin, die feindliche Umgehung wird von zartem Rosa, von schimmerndem Gelb anheimelnd gemacht. Hübsch häßlich.

Bilder mit Falltüren sind das. Sie locken den Betrachter mit ihrer freundlichen Erscheinung, um ihm, einmal im Dialog, die Aussage in den Kopf zu stoßen. Der Eselsbrücke konventioneller Seherwartungen fehlen irgendwo immer einige Planken, der Ausflug endet mit einem kalten Bad. Hübsch häßlich, aber genau das, was wir in einer von Bildern überfluteten Gesellschaft brauchen: Malerei, die zum gewohnten Naschen einlädt, aber dann nicht zu verdauen ist.

Um so erstaunlicher, daß Wachweger und Barfuss, deren Namen zwar immer schon kursierten, im ‚Betrieb’…

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