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Ausstellungen: Düsseldorf · von Helga Meister · S. 290 - 292
Ausstellungen: Düsseldorf , 2005

Helga Meister
Im Rausch der Kunst – Dubuffet und Art Brut

Museum Kunst Palast 19.2.-29.5.2005

Warum hat sich Jean Dubuffet (1901 bis 1985) das Leben genommen? Wieso gelang ihm der Aufstieg in den akademischen Kunstbetrieb nicht? Weshalb brauchte dieser ehemalige Weinhändler aus einer großbürgerlichen Familie fremde Kindheits-Talente, „Amateure“, Wahnsinnige, Spiritisten, Außenseiter, Häftlinge, Traumatisierte, um zur eigenen Kunst zu kommen? Die Düsseldorfer Ausstellung „Im Rausch der Kunst – Dubuffet & Art Brut“ gibt darauf keine Antwort. Das ist umso erstaunlicher, als Jean Hubert Martin im Museum Kunst Palast so gut wie alles auffahren lässt, was sich um Dubuffet und die von ihm gesammelte oder zumindest geschätzte Art Brut dreht. 80 Originale von Dubuffet und 350 Beispiele der Kunst ohne ästhetische und inhaltliche Kriterien, das ist enorm. Das ist phantastisch, ja wahnsinnig, aber es lenkt von Dubuffet ab. Der Mann aus Le Havre wird zwar in einem kompakten Konvolut gezeigt, das mit dem „Entkleideten“ im Juni 1945 beginnt und ein „barbarisches“, bis in die 60er Jahre reichendes Frühwerk hat – aber die Epoxi-Gestalten mit der Polyurethan-Bemalung, die rollenden Figurinen des Coucou Bazar von 1973 aus dem Hourloupe-Zyklus wirken eben nur kulissenhaft. Das Interesse in der Ausstellung gehört in erster Linie der Art Brut, jenen Künstlern, die der Kunst ausgeliefert sind, die sie zum Erhalt ihrer Existenz und ihres Lebens brauchen. Die Gegenüberstellung von Dubuffet (auf blauen Wänden) und den Geplagten, Gebenedeiten und Obsessiven (auf weißen Wänden) fällt zugunsten der seelisch, körperlich und geistig Gefangenen aus.

„Im Rausch der Kunst“ ist ein einziger Wahnsinn, ist Bild…


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