Fragen zur Zeit · von Amine Haase · S. 32
Fragen zur Zeit , 2005

Amine Haase

Kunst oder Apotheke?

Die Versteigerung von Damien Hirst’s „Pharmacy“ bei Sotheby’s, Rap im Louvre, das sich immer schneller drehende Markt-Karussell – Symptome der sich wandelnden Art-Welt?

Worüber sprechen wir eigentlich, wenn wir über „den“ Kunstmarkt reden, über die inzwischen ohne Spott als Karawane bezeichnete Interessengemeinschaft, die von Basel nach Berlin zieht, von Berlin nach London, von London nach Paris, von Paris nach Köln und weiter nach Miami und Bologna, nach Madrid und Brüssel? Und wovon erzählen wir, wenn wir uns an die Stimmung in der Londoner Kunstszene zu Winteranfang 2004 erinnern, die so euphorisch war, als hätte der Lord Mayor Prosac ins Trinkwasser geben lassen? Worüber diskutieren wir, wenn wir über den „Jungbrunnen“ streiten, den der Direktor des Louvre angeblich zum Wohl des altehrwürdigen Pariser Museums sprudeln lässt – und den Rubens-Saal in eine Disko verwandelt? Geht es um Kunst, geht es um Entertainment, geht es um Geld? Wie weit sind die Begriffe, die alle unter einen Hut – namens Markt – zusammenzubringen sind, überhaupt noch voneinander zu trennen? Psychologen haben die Beschäftigung mit Kunst als Ersatzhandlung analysiert. Soziologen haben schon vor Jahren prophezeit, dass wir uns zu Tode amüsieren, auch mit den Mitteln der Kunst – und das gilt selbst noch nach dem Ende der lustigen Zeiten. Politiker haben die Kunst als Beschäftigungstherapie entdeckt und argumentieren hauptsächlich mit Zahlen. Können die Kunstvermittler in den Museen und Instituten mit inhaltlichen Argumenten dagegenhalten? Worüber sprechen sie – über Kunst, Entertainment, Geld? Die Kunst ist schon längst nach den Strategien des Markts umzingelt. Hisst sie nicht schon die weiße Fahne? Die sieht oft aus wie ein buntbedrucktes Taschentuch, so dass man das Unterwerfungszeichen als fröhliches Winken missdeuten könnte. Aber lassen wir uns nicht täuschen, die Luft ist dünn geworden für das, was über Generationen als Kunst bezeichnet wurde. Auch wenn nicht mehr „das Gute, Wahre, Schöne“ bemüht werden sollte, so bestand doch Einvernehmen über den Begriff Kunst und seine erweiterten Definitionen – zum Beispiel durch die Aufgaben der Museen, die Zielsetzungen der kunsthistorischen Forschung, die Ansprüche an Ausstellungen und, ja vor allem, durch die Künstler und das, was man deren „Haltung“ nennen konnte. Die Aufgaben der Museen werden heute vorwiegend durch die Zahl der Füße, welche die Schwelle übertreten, vorgegeben. Kunsthistorische Forschung wird dort, wo sie nicht modischer Pseudoaktualität folgt, als Insel der Seligen misstrauisch beäugt. Ansprüche an Ausstellungen sind allzu oft nicht an Inhalten, sondern an Strategien orientiert. Und die Künstler? Sie sind oft selbst die gewieftesten Strategen – was natürlich eine Menge kreativer Konzentration absorbiert.

Entertainer Damien Hirst

Das sicherlich frappierendste Beispiel für eine solche Künstler-Strategie war in jüngster Zeit sicherlich die Versteigerung von Damien Hirsts „Pharmacy“ bei Sotheby’s in London, perfekt getimet, nämlich während der Londoner Messe für zeitgenössische Kunst, Frieze. Damien Hirst, einer der Protagonisten der sogenannten Britart richtete 1998 im Londoner Stadtteil Notting Hill ein Restaurant ein, das zum Treffpunkt der Londoner Kunst- und Musikszene wurde. Mick Jagger und Kate Moss, Tom Cruise und Robbie Williams gehörten zu den Gästen, die auf Barhockern mit aspirinförmigen Sitzen Platz nahmen und aus Gläsern tranken, die mit grünen Molekular-Strukturen bedruckt waren. Zigaretten wurden in pillenförmigen Aschenbechern ausgedrückt. Die Martini-Gläser zierten Äskulaps Natter. Pillen-Tapeten und deckenhohe Arzneischränke bildeten die Kulisse des Themen-Restaurants nach Motiven der Hirst-Kunst mit Schmetterlings-Bildern und hängenden Skeletten. Die Kellnerinnen trugen OP-Kittel von Prada, und der Gipfel des guten Geschmacks war der Gencode des Künstlers, der über den Restaurantgästen im ersten Stock schwebte. Doch das Schickeria-Karussell dreht sich schnell. Hirst und sein Geschäftspartner veräußerten 2003 die künstliche „Pharmacy“, die übrigens nach einer Prozessandrohung der Royal Pharmaceutical Society den Namen „Pharmacy“ aufgeben musste – und sich annagrammatisch „Army Chap“ nannte. Bevor das Restaurant schloss, hatte Hirst fix sein eigenes Interieur aufgekauft. Zerlegt in 160 Lots, wurde es vergangenen Oktober im Auktionshaus Sotheby’s in Londons New Bond Street versteigert. Die Mindesttaxe lag bei drei Millionen Pfund. In dem in jeder Hinsicht überhitzten Saal im ersten Stock des Sotheby’s-Hauses wurde mehr als das Dreifache eingespielt. 11,1 Millionen Pfund setzte das Auktionshaus in kürzester Zeit um. Ein Paar der Martinigläser (geschätzt 50-70 Pfund) kamen auf 4000 Pfund. Zwei Schaumkugelsitze (geschätzt 400-600 Pfund) erreichten 16.000 Pfund. Ein Paar mit Hirst-Pünktchen bemalte Toilettentüren erzielten 12.000 Pfund. Und die beiden Medizinschränke („The Fragile Truth“ und „The Sleep of Reason“) brachten zusammen 2,4 Millionen Pfund, womit sie hundert Prozent über dem Schätzpreis lagen.

Cool wie es sich für jemanden gehört, der einen Hai in Formaldehyd einlegt, war der Künstler während der Auktion Snooker spielen mit Freunden im „Groucho Club“ – „wie an einem ganz normalen Abend“, sagte er in einem Interview. Oder doch nicht so cool? Er sei zu aufgeregt gewesen, um live dabei zu sein. Seine Frau war in der New Bond Street und schickte ihm ein paar SMS. Bei sechs Millionen Pfund habe er das Handy ausgestellt und versucht, sich wieder auf das Snooker-Spiel zu konzentrieren. Dass die Auktion kein Flop werden konnte, stand für Hirst schon lange fest, dafür hatte es einfach zu viele Anzeichen gegeben: Vieles war geklaut worden, bevor das „Pharmacy“-Mobiliar überhaupt bei Sotheby’s eingeliefert werden konnte. Und nach der Schließung der Bar kamen reihenweise Leute zum Künstler, um ein Stück Tapete zu erbetteln; immerhin kamen noch 40 Rollen mit dem Pillen-Arsenal auf Silber- oder Goldgrund zur Versteigerung. Dass Hirst am Ende das Dreifache des Schätzwertes einstreichen konnte, damit hatte er wohl doch nicht gerechnet. Britcooler Kommentar: „Ich kann mich nicht beklagen. Es war ein guter Tag.“ Wer mit solchen Summen jongliert, muss wohl ein ebenso guter Geschäftsmann wie Künstler sein. Hirst meint zwar, dass man im Idealfall zu 100 Prozent Künstler sein sollte, aber die „absolute Mehrheit“ von 51 Prozent Künstlersein reiche auch. Und „wenn die restlichen 49 Prozent aus Entertainerqualitäten und Geschäftssinn bestehen, sind die Chancen nicht schlecht, es auf dem Markt sehr weit zu bringen“. Er habe sich allerdings gewundert, wie schnell man so an die Spitze gelangen könne. Schließlich habe er sich lange genug mit Michelangelo beschäftigt, um zu wissen, dass er selbst kein Genie sei. Der Markt müsse schuld sein, da habe kaum mehr als eine Handvoll Leute das Sagen: „Ein paar Galeristen und Sammler, die zusammen den nächsten großen Hype inszenieren.“

Kontrolleur Charles Saatchi

Zu der Handvoll Leute, die das Sagen haben, gehört Charles Saatchi, Chef einer der größten Werbe- und PR-Agenturen. Hirst hält ihn für einen „Kunsthändler, der sich als Sammler tarnt“ – was weiter nichts Ungewöhnliches sei. Hirst selbst hat eigene Werke von Saatchi zurückgekauft. Sein lapidarer Kommentar: „Zum Glück konnte ich sie mir leisten.“ Hat Hirst seinen frühen Förderer Saatchi mit dessen eigenen Waffen geschlagen? Den Machtanspruch des Sammlers beschreibt seine erste Frau so: „Das Sammeln ist eine Art, die Welt zu ordnen und im Griff zu haben. Wir waren beide entschlossen, jeder auf eine eigene Weise, Kontrolle auszuüben.“ Richtungswechsel inklusive, Hauptsache ist die lautstarke Verkündigung des „nächsten großen Hype“. Nicht von ungefähr hieß eine solche „hype“ Ausstellung 1997 in Londons Royal Academy „Sensation“. Academy-Direktor Norman Rosenthal schrieb jetzt einen Text für Sotheby’s „Pharmacy“-Katalog mit dem werbenden Titel „“Bid to get them, get them, hurry!“ Sie „Sensation“-Schau lenkte weit über die Insel hinaus die Augen der Kunstwelt auf junge britische Kunst, kurz YBA oder Britart. Und an deren Promotion war der Werbefachmann und Kunst-Großeinkäufer Charles Saatchi nicht unbeteiligt. Inzwischen ist seine Sammlung in die alten Büros des von Margaret Thatcher abgeschafften Londoner Stadtrates eingezogen. Birtart mit Installationen der Hirst, Emin, Lucas, Chapman, Quinn etc. müssen neuerdings seinem jüngsten Hang zur Malerei Platz machen. Saatchis Begeisterung der frühen Jahre für den Minimalismus erscheint heute kaum noch vorstellbar. Seine „Kontrolle“ konnte und kann wohl auch weiterhin umso wirksamer sein, als er einen verlässlichen Partner in den für zeitgenössische Kunst zuständigen Instituten fand und findet. Und für Londons Star-Museum der Moderne stehen die Zeichen der Zeit derzeit auf Expansion – auch wenn wirtschaftlich die Voraussetzungen das nicht unbedingt nahe legen. Optimismus und Konsum scheinen die Antriebsfedern zu sein, und was der Volkswirtschaft recht ist, kann offenbar der Kunst billig erscheinen: Die Tate Modern, zeitgenössischer Ableger der Tate Britain, die 1998 in einem ehemaligen Kraftwerk an der Themse etabliert worden ist, soll bis 2011 einen Anbau erhalten. Kostenvoranschlag: umgerechnet 140 bis 189 Millionen Euro. Der Entwurf stammt von dem Schweizer Architektenbüro Herzog & de Meuron, das bereits das Kraftwerk zum Museum umgebaut hatte. Tate-Chef Nicholas Serota ist zuversichtlich, staatliche Zuschüsse zu erhalten und Sponsoren zu finden. Ein Lockmittel wird sicherlich die Besucherzahl sein: rund vier Millionen jährlich.

Der Louvre im Disko-Look

Und damit sind wir wieder bei den verführerischen Zahlen. Offenbar sind es vor allem junge Leute, die den Museen zum Aufpolieren der Statistiken am geeignetsten erscheinen. Tatsächlich haben die Älteren sich ja bereits entschieden, ob sie lieber ins Museum oder auf den Golfplatz gehen, in die Galerie oder ins Fitness-Studio – wobei das eine das andere nicht auszuschließen braucht. Dennoch scheinen in den Augen der Museums-Strategen die Jungen das ausbaufähigere Publikumspotential zu sein. Sie will man locken – selbst auf die Gefahr hin, mit den Jugendveranstaltungen das ältere Stammpublikum zu vergraulen. Das kurioseste Beispiel der letzten Saison war sicherlich die Veranstaltung „On danse au Louvre“ (Im Louvre wird getanzt). Wer, wie angekündigt, Tanz nach Barockmusik zu Barockbildern erwartete, war sicherlich überrascht über die Lautstärke und die Rap-Gymnastik, wie man sie vom Vorplatz des Centre Pompidou oder dem Forum des Halles kennt. Hier war man aber nicht im Freien, sondern im Louvre, und zwar nicht etwa im Glas-Pyramiden-überdachten Foyer, sondern im Rubens-Saal mit dem berühmten Medici-Zyklus. Der Andrang war so groß, dass eine handvoll Wächter die Zuhörer immer wieder bitten mussten, sich nicht an die Bilder zu lehnen – bis sie nicht mehr zur letzten Reihe durchdrangen. Ob der Direktor des Louvre, Henri Loyrette, weiß, was er Rubens da zugemutet hat – nicht an Kulturschock, sondern an Wärme-, Feuchtigkeits- und Phonschock? 6,2 Millionen Besucher – so die Bilanz 2004 – sind offenbar nicht genug, und vor allem will Loyrette die Anziehungskraft auf junge Leute erhöhen, wie er in einem Interview betonte. Für sie ist der Louvre-Besuch am Freitagabend gratis, und da wird man wohl mit weiteren „jungen“ Einfällen rechnen müssen – bis die Restauratoren ein Veto einlegen. (Während Kölns musikbegleiteten Langen Museumsnächten haben die Restauratoren oft Styropor zwischen Bilder und Wände gelegt, damit die Kunst im Phonorkan nicht allzu stürmisch durchgeschüttelt wurde.) Das Selbstbewusstsein der Museumsdirektoren scheint nicht sehr groß zu sein, wenn sie sich so dem – zumeist politischen – Diktat der Zahlen unterwerfen und dabei sogar die Rücksicht auf die ihr anvertraute Kunst vergessen, Rücksicht auf deren Überzeugungspotential, auf die ihr eigene Anziehungskraft und schließlich auf ihre materielle Existenz. Eine Rap-Einlage kann keinen Rubens verjüngen, und der hat das auch gar nicht nötig. Die Kunst ist „for ever young“. Wenn das nicht zur Geltung kommt, dann liegt es an der Museums-Präsentation. Die zu überdenken verspricht mehr Erfolg als vermeintlichen Staub mit Ghettoblastern wegzupusten. Die Kunst soll unterhalten? Welch überholter Anspruch in Zeiten, da jedes Handy ein volles Unterhaltungsprogramm mitliefert. Die Museen müssen sich etwas anderes einfallen lassen als „Entertainment“ aufs Programm zu setzen. Oder wollen sie so witzig – vielleicht zynisch – sein wie ein Damien Hirst? Der pflegt doch ganz offensichtlich nur sein Image, wenn er seine Ambitionen in „51 Prozent Künstlersein“ und „49 Prozent Entertainerqualitäten plus Geschäftssinn“ (siehe oben) portioniert. Dabei geht es ihm darum, es auf dem Markt zu etwas zu bringen. Aber worum geht es den Museen, worum kann es den Kunstvermittlern heute gehen?

Im Reich der Dinge

Kunst nach dem Ende der Kunst und Kunstgeschichte nach dem Ende der Kunstgeschichte – das waren emsig diskutierte Themen pünktlich zum Ende des 20. Jahrhunderts. Alle Ismen und Trends sind im breiten Strom des „Anything-goes“ gemündet, so dass weder vom Publikum, noch von den Vermittlern, den Museumspraktikern und den Kunsttheoretikern ein vollständiger Überblick erwartet werden kann oder besser: soll. Es kann nicht um die Kenntnis des kompletten Repertoires zeitgenössischer Kunstproduktion plus historischem Hintergrund gehen. Es muss aber um das Wissen von Auswahlkriterien gehen, im Fall der Kunst um Möglichkeiten einer Aktivierung des selektiven Schauens. Sind wir damit wieder bei der guten alten „Qualität“? Keinesfalls, wenn damit ein von Zeit und Ort unabhängiger Wertmaßstab gemeint ist; möglicherweise, wenn der Begriff aus dem starren Korsett der Konventionen befreit wird. Das wäre ein Thema für Symposien und Kunsthistorikertage. Wie nötig die Diskussion ist, können allein schon die zwei Beispiele aus London (Hirsts „Pharmacy“-Versteigerung) und Paris (Rap im Louvre) zeigen. Zentral ist dabei die Frage, ob die Trennungslinie zwischen Kunst und Entertainment noch mehr verwischt und schließlich ganz aufgehoben werden soll oder ob man sie wieder schärfer zieht. Die Überlegungen führen zurück zu Zeiten, da Realismus etwas anderes meinte als abgebildete Wirklichkeit. Spätestens seit Marcel Duchamp löst sich das, was bis dahin einverständlich als Kunst bezeichnet wurde, in der alltäglichen Dingwelt auf. Die Wirklichkeit der Dinge und die Wirklichkeit der Darstellung – der Skulptur, des Bildes, vor allem aber der Installation – sind inzwischen auswechselbar. Das, was eine Zeit lang ein intellektuell anspruchsvolles Spiel der Wechselbeziehungen im Reich der Dinge war – egal ob Duchamps Flaschentrockner und Magrittes „Ceci n’est pas une pipe“ oder Judds Boxen und eine „Radikale Malerei“ -, das verkam zum hohlen Spaß – mit auf Restaurant-Eignung getrimmter Apotheke oder Bildern, die frei von jedem Zweifel an der Darstellbarkeit der Dinge zu sein scheinen. Für den Betrachter heißt das: Kaum hat er die kopernikanische Wende der Kunst nachzuvollziehen gelernt, akzeptiert, dass die Wirklichkeit der Dinge vielfältig ist und erkannt, dass sein Blick das Kunstwerk (mit-)erschafft, da wird er wieder zurück in den Kindergarten der Kunstrezeption geschickt, wo ihm Artisten-Design und fleißig buntgemalte Bilder vorgaukeln, eine Aufklärung des Sehens habe es nie gegeben. Vielleicht kehrt er erleichtert zurück in eine infantile Phase. In jedem Fall kann er sich da auf die Hilfe des Markts verlassen. Der plündert bereits die Akademien bevor die Kunststudenten die Farben gemischt haben. Bei Sammlern in Miami kommt das angeblich bestens an – und die Kunstmarkt-Saison 2005 hat noch gar nicht begonnen. Man könnte meinen, die Devise heiße: je jünger und harmloser desto lieber und teurer. Offensichtlich setzen auch Museen – siehe der Louvre – in leicht variierter Form auf diese Karte. Die fast ein Jahrhundert anhaltende, schließlich mühsame Diskussion um Begriffe wie Avantgarde, Neues in der Kunst, Fortschritt scheint abgelöst durch simple Setzungen wie „jung“ und „unterhaltsam“. Zumindest ist es das, was die Aufmerksamkeit auf sich zieht und ein Echo in den Medien findet – im Fall von Hirsts „Pharmacy“ von der „Ärzte Zeitung“ bis zur „Allgemeinen Hotel- und Gaststätten Zeitung“. Man muss nicht gleich nach den Philosophen rufen, damit sie das Diskussionsniveau anzuheben helfen. Schließlich hat die Annexion der Kunst durch die Baudrillard, Derrida oder Sloterdijk der Kunst selber nicht viel gebracht. Aber die Verantwortlichen in den Museen und Instituten, Kunsthistoriker und -theoretiker sollten sich überlegen, ob sie weiter nur zuschauen wollen, wie der Markt, die Szene und der „Betrieb“ ihre Kinder frisst.