Gespräche mit Künstlern , 2005

Dieter Buchhart

Das Resultat ist tot, es lebe der Prozess

Ein Gespräch mit Igor Sacharow-Ross

Igor Sacharow-Ross zählt zu den PionierInnen auf dem Gebiet des interdisziplinären Kunstschaffens. Konsequent verfolgt er den grenzüberschreitenden Leitgedanken der Syntopie und sucht die gedachte Trennung der „Welt um uns“ und der „Welt in uns“ zu überwinden. Sacharow-Ross wurde in Ostsibirien geborene und in den 1970er Jahren als Mitglied der nonkonformistischen Kunstszene politisch verfolgt. Ab 1975 inszenierte er die ersten Aktionen und Performances in der damaligen UdSSR und wurde schließlich 1978 ausgebürgert. Seine frühe Auseinandersetzung mit dem Naturbegriff ist von seinen Jugenderfahrungen in der sibirischen Taigalandschaft geprägt. Er versteht Natur als das Wirkungsfeld von Urkräften, die gleichermaßen segensreich wie zerstörerisch sein können. Seit den 1980er Jahren hat Sacharow-Ross mit molekularen Strukturen wie Krebszellen und Blattformen gearbeitet. Bereits damals suchte der Künstler naturwissenschaftliche Erkenntnisse mit jener geisteswissenschaftlicher Überlegungen zu verbinden. Seit Ende der 1990er Jahre arbeitet der Künstler an dem Projekt „Sapiens/Sapiens“ zum Thema Menschen und Menschenrechte, das anlässlich der Sitzung der UN-Menschenrechtskommission im März 2000 erstmals in Genf präsentiert wurde. Sein Annexbau eines Holzhauses im Stil der traditionellen udmurtisch-russischen Bauernarchitektur als riesige „Syntopieplastik“ an der Simultanhalle in Köln wurde vor kurzem auf das Gelände der Schule für Medientechnologie in Köln transferiert. Ohne hierarchische Ordnung sucht Sacharow-Ross mit überzeugender Konsequenz Disziplinen, Menschen und Orte miteinander zu verbinden und die begrenzte Perspektive des ich-zentrierten Künstlerindividuums hin zum Verbinder und Mediator zu verschieben.

Seit langem setzt du dich mit dem von Ernst Pöppel, Professor für Hirnforschung und Gründer des Humanwissenschaftlichen Zentrums der…

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von Dieter Buchhart

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