Gespräche mit Künstlern , 2005

Fabian Stech

Die Kunst ist ein völlig paradoxer Ort

Ein Gespräch mit Bertrand Lavier

Bertrand Lavier, geboren 1949 in Burgund ist vielleicht der französischste Künstler seiner Generation. Mit einer unvergleichlichen Mischung aus Ironie und Ernsthaftigkeit betreibt er sein Werk seit dem Beginn der siebziger Jahre. Seine „Objets peints“, die bemalten Objekte übertrugen den konzeptuellen Ansatz der Malerei auf das Objekt und die Skulptur und seine „Objets superposés“ die Stapelobjekte wenden die Collage in den dreidimensionalen Raum. Auf der Suche nach der visuellen Effizienz sind seine Bilder, Skulpturen und Filme stets von der größtmöglichen Einfachheit und schließen immer vorgefertigte Genres und Unterscheidungen miteinander kurz, um über sie hinausgehende Energien frei zu setzen. Pate stehen ihm bei seinen Arbeiten Duchamp und Picabia und sein „Giulietta“ scheint der Kulminationspunkt von Jean Dewasnes Antiskulptur „The tomb of Anton Webern“ zu sein. Das folgende Interview wurde im Sommer 2004 in Dijon geführt.

Fabian Stech: Die Straße in der wir uns befinden ist nach Buffon, dem Systematiker der Biologie, benannt. Lässt sich eine Systematik für Kunstwerke entwickeln, wie Buffon es für die Tiere getan hat?

Levi-Strauss hat gesagt: „Man klassifiziert wie man kann, aber man klassifiziert.“ Ich denke, dass man alles klassifizieren kann. Es gibt übergeordnete Kategorien wie die Malerei, die Zeichnung, das Aquarell, dann die Skulptur und die Installation. Die Installation ist eine Kategorie, die häufig wieder der Skulptur zugeordnet wird. Die Vorstöße der Künstler werden immer in Schubladen geordnet. Doch das impliziert nicht unbedingt, dass es eine Entwicklung gibt, obwohl ich davon ausgehe, dass dies der Fall…

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