Titel: 50. Biennale Venedig · von Michael Hübl · S. 291
Titel: 50. Biennale Venedig , 2003

IRAN: Behrooz Daresh, Hossein Khosrojerdi, Ahmad Nadalian
40 Jahre war der Iran nicht mehr auf der Biennale vertreten. Die Rückkehr auf die Bühne des internationalen Kunstbetriebs erfolgt tastend, vorsichtig, voll Zurückhaltung. Kein Auftrumpfen, dafür ein Hinweis im schmalen Begleitheft, dass es kein Zufall sei, wenn man sich gerade jetzt wieder der internationalen Öffentlichkeit präsentiere, denn der iranische Vorschlag stelle eines der interessantesten Beispiele für den Versuch dar, sich Uniformität und Anpassung zu widersetzen. Neben Hossein Khosrojerdi, der mit Hilfe der Digitaltechnik surreale Bilder von Menschen in absurden Situationen herstellt, und neben Behrooz Daresh, der sich mit filigranen abstrakten Objekten dem, wie es Willi Baumeister nannte, Unbekannten in der Kunst annähert, ist es insbesondere Ahmad Nadalian, der mit seiner Arbeit den Geist einer bescheiden beobachtenden, sacht kommentierenden Kunst vermittelt. Nadalian stellt in Venedig sein Projekt „River Art“ vor, das sich als Prozess der Be-Schreibung und Beschwörung manifestiert: Der Künstler, der sich intensiv mit Comics befasst hat und der mit einer Arbeit über den Einfluss des Mystizismus in der Kunst („The Impact of Mysticism on Art“, 1995) promoviert wurde, sammelt auf langen Wanderungen Steine, in deren natürlicher Beschaffenheit er sprechende Formen erkennt. Die Steine enthalten für ihn spirituelle, kulturelle, anthropologische Bedeutungen, denen er eigene graphische Anmerkungen hinzufügt: Er ritzt seine Telefonnummer und Web-Adresse in die Fundstücke ein und versieht sie mit signetartigen Ritzzeichnungen von menschlichen Figuren, Vögeln, Schlangen, Fischen, immer wieder Fischen. Nadalian lässt die Steine meist dort, wo er sie bearbeitet hat, vor allem im Fluss seiner Kindheit, der durch…

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