Ausstellungen: Siegen , 2005

Annelie Pohlen

Jochen Lempert

»Ko-Evolution«

Museum für Gegenwartskunst, 21.9. – 27.11.2005

Sollte in der immer weiter ausdifferenzierteren Entwicklung des Lebendigen dem Menschen die Krone der Schöpfung abhanden kommen? Reflexionen über Ko-evolution, ursprünglich auf die wechselseitige Beeinflussung zweier Arten in der Evolution gerichtet, haben sich rasant in gesellschaftsrelevanten Recherchen von der Naturwissenschaft bis zur Militärforschung eingenistet. Jochen Lemperts „Ko-Evolution“ impliziert nicht nur Verlangsamung; sie kehrt die Beweiskette, nach der die evolutionäre Diversifizierung zur Überlegenheit des Menschen führt, in einem zunehmend wachsenden, fotografisch aufgezeichneten Kosmos der ambivalenten Interaktionen zwischen Natur und Zivilisation um. „Belege für die Existenz des Menschen in der Natur“ ist Titel einer der für Lemperts Vorgehensweise typischen ,Fotorecherchen‘, in dem sich seine poetische Diversifizierung des wissenschaftlichen Denkens auf subtil ironische Weise manifestiert.

„Ko-Evolution“ schließt mit Arbeiten aus den Jahren 2000 bis 2005 an die vorausgehenden „365 Tafeln zur Naturgeschichte“ an. Es liegt in der Natur seiner gleichermaßen wissenschaftlich analysierenden wie poetisch investigativen Untersuchungen, dass die Ausstellung im Museum für Gegenwartskunst auf Vertrautes aus dem Bilderkosmos des in Hamburg lebenden (*1958) Künstlers und Biologen zurück greift. Dem Denken und Handeln des Naturforschers in der Frühzeit der Wissenschaften näher als den in kodifizierten Netzwerken agierenden Spezialisten der Gegenwart, gilt dem Verwunderung und Analyse vereinenden Künstlerforscher das Sammeln, Archivieren und Auswerten der Belege als Fundament einer kontinuierlich komplexeren Anschauung im Bild des Forschungsgegenstandes. So bietet die 1990 begonnene und gegenwärtig auf 28 Detailfotos angewachsene ,Dokumentation‘ der „Skins of Alca Impennis“ nicht nur einen ästhetisch faszinierenden ,Auftritt‘ einer Vogelart, deren Spezies einzig in ausgestopfter Form in 82 Naturkundemuseen…

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von Annelie Pohlen

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