Titel: Die Zukunft des Körpers II · von Hans Moravec · S. 98
Titel: Die Zukunft des Körpers II , 1996

HANS MORAVEC

Körper, Roboter, Geist

Ernsthafte Versuche, denkende Maschinen zu bauen, setzten nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Eine Forschungsrichtung, Kybernetik genannt, verwendete elektronische Schaltkreise, die das Nervensystem imitierten, um Maschinen zu konstruieren, die einfache Muster zu erkennen lernten, oder um schildkrötenartige Roboter zu bauen, die ihren Weg zur Aufladestation fanden. Ein anderer Ansatz, Künstliche Intelligenz genannt, verwendete die arithmetische Leistung der Nachkriegscomputer zum abstrakten Schlußfolgern und stellte während der 60er Jahre Computer her, die logische und geometrische Theoreme bewiesen, Rechenprobleme lösten und gute Schachspiele ausführen konnten. Ende der 60er Jahre verbanden Forscherteams am MIT und in Stanford ihre Computer mit Fernsehkameras und Roboterarmen, wodurch „denkende“ Programme beginnen konnten, Informationen direkt von der äußeren Welt aufzunehmen.

Das war ein Schock! Während die ausschließlich schlußfolgernden Programme ihre Arbeit etwa so gut und so schnell wie Collegeanfänger ausführten, brauchten die besten Programme zum Steuern von Robotern Stunden, um einen Baustein auf einem Tisch zu finden und zu ergreifen. Oft scheiterten sie daran vollständig und zeigten eine Leistung, die viel schlechter als die eines sechs Monate alten Kindes war. Die Diskrepanz zwischen Programmen, die schlußfolgern, und Programmen, die wahrnehmen und in der Welt handeln, besteht bis heute. Vor einigen Jahren stellte die Carnegie Mellon University zwei tischgroße Computer her, die mit den besten 100 Spielern der Welt auf dem Rang von Großmeistern Schach spielen können, wenn deren Züge mit einer Tastatur eingegeben werden, aber kein Roboter kann die Figuren auf einem Schachbrett so wie ein durchschnittlicher Mensch sehen und ergreifen.

Warum ist es leichter, menschliches Denken als Wahrnehmen…

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