Titel: Die Zukunft des Körpers II · von Nicolas Anatol Baginsky · S. 166
Titel: Die Zukunft des Körpers II , 1996

NIK BAGINSKY

Plateausohlen und Neurotechnologie

Hinter dem handwerklichen und intellektuellen Erfindungsgeist des Menschen steht ein zentrales Motiv. Es offenbart sich im Streben des Menschen, seine Fähigkeiten über das biologisch vorbestimmte Maß hinaus zu vergrößern. So entwickelte sich beim modernen Menschen ein Hang zum Werkzeug, zur Prothetik. Prothetik deshalb, da Werkzeuge künstliche Körperteile bilden, die dem Benutzer neue Fähigkeiten verleihen. Die Erweiterung der körperlichen Fähigkeiten ist das ursprüngliche Ziel des menschlichen Erfindungsgeistes. So fanden handwerkliche Technologien schon sehr früh eine weltweite Verbreitung. Seither bilden sie eine kollektive Wissensbasis. Technologie ist etwas Gewachsenes, etwas eigentlich sehr Natürliches, ein inhärenter Bestandteil des modernen Menschen. Das Rad beispielsweise kompensiert auf elegante Weise die Mobilitätseinbußen, die wir uns mit dem aufrechten zweibeinigen Gehen – der Bipedie – eingehandelt haben. Hierzu muß man wissen, daß die Bipedie und das Verlassen der Bäume als entscheidende Voraussetzung für die Entwicklung des menschlichen Gehirns zu seiner heutigen Leistungsfähigkeit gilt. In den letzten 6000 – 8000 Jahren begann die Menschheit dann auch die Macht geistiger Werkzeuge (Mathematik, Philosophie usw.) zu erfassen.

Die anatomische Entwicklung des Homo Sapiens Sapiens war vor mindestens 30.000 Jahren weitgehend abgeschlossen. Und obwohl sich seitdem Gehirn und Körper vom prinzipiellen Aufbau her kaum noch verändert haben, entwickelte der moderne Mensch in diesem relativ kurzen Zeitraum (das erste Auftreten unseres Vorfahren, des Neandertalers, schätzt man auf etwa 100.000 Jahre vor der Gegenwart) ganz erstaunliche neue Fähigkeiten. In dieser Periode muß also, anders als bisher im Rahmen der Evolution üblich, eine schwerpunktmäßige Entwicklung des Geistes stattgefunden haben. Es entstand eine ganz…

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