Magazin: Symposien & Kongresse , 1988

Heinz Schütz

Kunst und die unsichtbare Wirklichkeit

Symposium
Schloss Elmau 20.-22.6., München 24.-26.6.1988

Disparates wie Alchemie und Akupunktur, I Ging und Zen, Satanskult und Schwarze Messe bringt der Zeitgeist mit dem Begriff „Esoterik“ auf einen Nenner. Sie spielt heute die Rolle eines „Paradigmas“, das den aufklärerisch-politischen Anspruch der sechziger und siebziger Jahre verdrängte. Dies allerdings bedeutet nicht, daß Vorwürfe wie „Eskapismus“ und „Innerlichkeit“ gegenwärtig nicht mehr greifen – der mögliche technologische Suizid ist nicht von okkulten, sondern von gesellschaftlichen Kräften erzeugt – und auch heute hat Aufklärung „Esoterik“ dort, wo sie zum faulen Zauber regrediert, zu entzaubern. Die Grenzen rationalistischer Kritik allerdings sowie das dem Bündnis von Wirtschaft und technologischer Vernunft entwachsene Sinndefizit, Reduktionismus und mentale Verstümmelung verweisen zwangsläufig auf das ausgegrenzte „Andere“. Daß die Kunst unseres Jahrhunderts daran partizipiert, versuchten die letzten Jahre Ausstellungen zu verdeutlichen wie „The Spiritual in Art“ (Den Haag), „Arte e Allchemia“ (Venedig) oder „Die Gleichzeitigkeit des Anderen“ (Bern). In einem 1987 verfaßten Manifest postulieren die Organisatoren des Symposiums Peter F. Strauss und Rafael Montanez Ortiz eine Kunst, der das Unsichtbare, sprich das „Paranormale“, zum Gegenstand wird: „Mit unsichtbarer Wirklichkeit meinen wir hier eine vom Künstler bearbeitete Realität, die das komplexe System energetischer Schwingungen innerhalb der materiellen Welt umfaßt. Es geht um die Wirklichkeit, die sich erst durch unsere über- und außersinnliche Fähigkeit enthüllen läßt.“ Künstler, deren Arbeit im weitesten Sinne diesem Postulat entspricht, stellten sich auf dem Symposium vor. Es fand drei Tage auf Schloß Elmau statt – die Sonnenwende wurde bewußt als Termin gewählt – und…

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