Literaturhinweise zum Gebrauch des Kreativitätsbegriffs
von Ulf Wuggenig
Die wissenschaftliche Literatur zum Thema Kreativität erfuhr ab den 1980er Jahren eine starke Ausweitung über die traditionellen Domänen Psychologie bzw. Psychoanalyse und Philosophie hinaus. Selbst das Feld der Psychologie, das mittlerweile rund ein halbes Dutzend auf Kreativität spezialisierte Zeitungen kennt – zum Journal of Creative Behavior kamen 1988 das Creativity Research Journal und 2007 Psychology of Creativity, Aesthetics and the Arts hinzu, danach noch das International Journal of Creativity and Problem Solving und das Journal of Thinking Skills and Creativity – stellt sich jedoch, wie Beth Hennessey und Therese Amabile in ihrem Übersichtsbeitrag zu „Creativity“ im Annual Review of Psychology (2010, 61, S. 569 – 598) feststellten, hinsichtlich der Kreativitätsforschung als außerordentlich „fragmentiert“ dar, da wechselseitige Bezugnahmen über die verschiedenen Subdisziplinen hinweg selten sind. Umso mehr gilt diese Fragmentierung für die inter- bzw. transdisziplinäre Ebene. Ungeachtet der kaum noch überschaubaren Menge an Beiträgen aus dieser Disziplin stammen die mittlerweile am häufigsten zitierten wissenschaftlichen Einzelarbeiten, welche das Substantiv „Kreativität“ oder das Adjektiv „kreativ“ im Titel tragen, jedoch nicht aus der Psychologie, sondern aus den Sozialwissenschaften.
Die Kreativität des Handelns
Auf internationaler Ebene ist als der mit Abstand meistzitierte Band The Rise of the Creative Class. And How It’s Transforming Work, Leisure and Everyday Life, New York: Basic Books 2002 inkl. der erneuerten Version The Rise of the Creative Class – Revisited: Revised and Expanded, New York: Basic Books 2014, des Regionalökonomen Richard Florida zu nennen, was er nicht zuletzt seiner vielfach kritischen Rezeption verdankt, aus der Jamie Peck, „Struggling with the creative class“, International journal of urban and regional research (2005, 29, S. 740 – 770), herausragt.
Im deutschsprachigen Raum nimmt diese Spitzenposition in der Rezeption hingegen die 1992 erschienene Studie Die Kreativität des Handelns, Frankfurt/Main: Suhrkamp 1992, des pragmatistischen Soziologen Hans Joas ein, dessen Handlungstheorie eine Alternative sowohl zu den Modellen des utilitaristischen als auch des normativen Paradigmas in Ökonomik und Soziologie darstellt, welche Kreativität und Improvisation des Handelns vernachlässigen. Joas tauschte sich über das Thema auch mit Richard Sennett aus: „Creativity, Pragmatism And The Social Sciences: A Discussion between Hans Joas and Richard Sennett“, Distinktion: Journal of Social Theory (2006, 7, S. 5 – 31). (Abb. 01)
Die Idee der Kreativität
Vom Aufschwung des Interesses am Begriff der Kreativität zeugt auch die Proliferation von Hand- und Lehrbüchern bzw. Enzyklopädien, in denen dieser eine zentrale Rolle spielt. Vgl. u.a. Elias G. Carayannis (Hg.), Encyclopedia of Creativity, Invention, Innovation and Entrepreneurship, New York u.a.: Springer 2013; John Hartley et al., Key Concepts in Creative Industries, Los Angeles, CA: Sage 2013; Tudor Rickards, Mark A. Runco, Susan Moger (Hg.), The Routledge Companion to Creativity, London: Routledge 2009; Keith R. Sawyer: Explaining Creativity: The Science of Human Innovation, Oxford: Oxford University Press 2012; J. C. Kaufman, Robert J. Sternberg, The International Handbook of Creativity, Cambridge: Cambridge University Press 2006; James C. Kaufman, Robert J. Sternberg, The Cambridge Handbook of Creativity, 2010, Cambridge, NY u.a.: Cambridge University Press; Jing Zhou, Christina E. Shalley, Michael A. Hitt, The Oxford Handbook of Creativity, Innovation, and Entrepreneurship, Oxford, New York: Oxford University Press 2015; Mark A. Runco, Creativity. Theories and Themes. Research, Development, and Practice, Amsterdam u.a.: Elsevier Academic Press 2007; Robert J. Sternberg (Hg.), Handbook of Creativity, Cambridge: Cambridge UP, 1999; Steven R. Pritzker und Mark A. Runco (Hg.), Encyclopedia of Creativity, San Diego, CA: Academic Press 1999; Robert W. Weisberg, Creativity: Understanding Innovation in Problem Solving, Science, Invention, and the Arts, Hoboken, NJ: Wiley 2006; Michael Krausz, Denis Dutton und Karen Bardsley (Hg.), The Idea of Creativity, Leiden: Brill 2009.
Standarddefinition(en) der Kreativität
Kreativität ist ein Begriff, der sehr unterschiedlich definiert wird, wenn er nicht überhaupt, wie vor allem in der Literatur utilitaristischen Typs, undefiniert bzw. leerformelhaft gebraucht wird. Über die Standarddefinition der Kreativität wie auch über Definitionen, die sich darin unterscheiden, dass sie drei bzw. zwei Kriterien oder auch nur ein einziges heranziehen, über die Frage, ob nicht nur Originalität, sondern auch Wert bzw. Nutzen oder Intentionalität von Ideen bzw. Praktiken zur Definition von Kreativität gehören, oder ob nur außerordentliche Kreativität, die in der Lage ist, Domänen wie künstlerische Genres oder wissenschaftliche Disziplinen im Sinne symbolischer Revolutionen zu transformieren, oder aber alltägliche Kreativität in den Definitionen berücksichtigt wird, ob Kombination, Exploration oder Transformation der Schaffung von Überraschungen zugrunde liegen, informieren u.a.: Søren Harnow Klausen, „The Notion of Creativity Revisited: A Philosophical Perspective on Creativity Research“, Creativity Research Journal (2010, 22, S. 347 – 360); Margaret Boden, Creativity and Art: Three Roads to Surprise, Oxford New York: Oxford University Press 2010, S. 2ff.; James C. Kaufman, Ron A. Beghetto, „Beyond big and little: The four c model of creativity“, Review of General Psychology (2009, 13, S. 1 – 13); Dean K. Simonton, „What is a creative idea? Little-c versus Big-C creativity“, in: Janet Chan, Kerry Thomas (Hg.), Handbook of research on creativity, Cheltenham: Edward Elgar 2013, S. 69 – 83. Und: Ulf Wuggenig, „Kreativitätsbegriffe“, in: Gerald Raunig und Ulf Wuggenig (Hg.), Kritik der Kreativität, Wien 2016: transversal texts, S. 11 – 70; Robert J. Weisberg, „On the Usefulness of ‚Value‘ in the Definition of Creativity“, Creativity Research Journal (2015, 27, S. 111 – 124).
Oftmals zitiert wird im sozialpsychologischen Diskurs Amabiles „zwei-Kriterien“ Definition: „A product or response will be judged as creative to the extent that (a) it is both a novel and appropriate, useful, correct or valuable response to the task at hand, and (b) the task is heuristic, rather than algorithmic.“ Teresa Amabile, The Social Psychology of Creativity, New York: Springer 1983, S. 33. Eine in besonderem Maße exklusive Kreativitätsdefinition findet sich in Kurt Lenk, „Creative Ascent. Creativity throught Creataphors“, in: Guttorm Fløistad (Hg.), Aesthetics and Philosophy of Art, Dordrecht: Springer 2007, S. 301 – 329.
Die kreative Klasse
Wendet man sich zunächst der sozialwissenschaftlichen Befassung mit Kreativität zu, dann lässt sich erkennen, dass ähnlich wie die wenigen älteren sozialwissenschaftlichen Arbeiten aus dem deutschsprachigen Raum zum Thema, wie etwa Niklas Luhmann, „Über Kreativität“, in: Hans Ulrich Gumbrecht (Hg.), Kreativität ein verbrauchter Begriff?, München: Fink 1988, S. 13 – 19, Norbert Elias, Mozart. Soziologie eines Genies, Frankfurt/Main: Suhrkamp 1991, und Heinrich Popitz, Wege der Kreativität, Tübingen: Mohr-Siebeck 1997, sich auch die erwähnte Studie von Hans Joas in ihrem akademischen Gestus deutlich von den unter Einfluss der neuen in der angelsächsischen Welt entwickelten instrumentalistischen Kulturdiskurse, wie von den in kritischer Reaktion gegen diese, zustande gekommenen jüngeren Arbeiten unterscheidet. Unter Gesichtspunkten der Breitenwirkung ist unter ihnen auf der einen Seite Richard Florida, The Rise of the Creative Class. And How It’s Transforming Work, Leisure and Everyday Life, New York: Basic Books 2002, inkl. der revidierten Version The Rise of the Creative Class – Revisited: Revised and Expanded, New York: Basic Books 2014, hervor zu heben (Abb. 02), auf der anderen Luc Boltanski und Eve Chiapello, The New Spirit of Capitalism, London, New York: Verso 2006 [1999], in Deutsch erschienen als Der neue Geist des Kapitalismus, Konstanz: UVK 2006. An breiter rezipierten jüngeren Beiträgen mit primär sozialwissenschaftlicher Ausrichtung aus dem deutschsprachigen Raum sind zu nennen Andreas Reckwitz, Die Erfindung der Kreativität. Zum Prozess gesellschaftlicher Ästhetisierung, Berlin: Suhrkamp 2012, die gegenüber dem instrumentalen Gebrauch des Kreativitätsbegriffs kritischen Beiträge von Ulrich Bröckling, „Kreativität”, Leviathan, 2004, 32, S. 130 – 134, bzw. U. Bröckling, Das unternehmerische Selbst – Soziologie einer Subjektivierungsform, Frankfurt: Suhrkamp 2007, und die gleichfalls überwiegend kritischen Beiträge in den Sammelwerken von Gerald Raunig und Ulf Wuggenig (Hg.), Kritik der Kreativität, Wien 2016 [2007 Turia + Kant]: transversal texts, 2. erw. Aufl.) und von Christoph Menke und Juliane Rebentisch (Hg.), Kreation und Depression: Freiheit im gegenwärtigen Kapitalismus, Berlin: Kadmos 2012, sowie der teilweise in die Cultural Studies eingebundene Band von Udo Göttlich, Ronald Kurt (Hg.), Kreativität und Improvisation, Wiesbaden: Springer 2012. Vgl. auch Catherine Robin, Werte kreativer Arbeit. Bielefeld: transcript 2017.
„Kreativität“ bzw. „kreativ“ nur in Anführungszeichen
Aus dem US-Kontext finden sich jüngere Beiträge über kollektive Grundlagen von Kreativität u. a. von Randall Collins und Michèle Lamont in Arnaud Sales und Marcel Fournier (Hg.), Knowledge, Communication and Creativity, London: Sage 2007. Einen rezenten Überblick über soziologische Zugänge zu Kreativität bietet Monika E. Reuter, Creativity – A Sociological Approach, Basingstoke: Palgrave Macmillan 2015, der allerdings den relativ breiten Diskurs über den Kreativitätsbegriff bei Pierre Bourdieu übersieht. Der Habitusbegriff und die Praxistheorie von Bourdieu regten ungeachtet des Sachverhalts, dass Bourdieu Wörter wie „Kreativität“ bzw. „kreativ“ auf Grund ihres theologischen Erbes selbst im allgemeinen nur in Anführungszeichen gebrauchte, eine Reihe von Arbeiten zum Verhältnis von Habitualisierung und Kreativität von Handeln bzw. Praxis an, die wiederum als praxistheoretische Alternative zum Pragmatismus von Joas zu betrachten sind. Zum Gebrauch des Kreativitätsbegriffs bei Pierre Bourdieu vgl. u.a. Ulf Wuggenig, „Kunst-Kunst, Street Art und ‚Kreativität‘: Annäherungen mit Hilfe von Feld- und Systemtheorie“, in: Daniel Šuber, Hilmar Schäfer, Sophia Prinz (Hg.), Pierre Bourdieu und die Kulturwissenschaften: zur Aktualität eines undisziplinierten Denkens, Konstanz: UVK 2011, S. 217 – 251; Gernot Saalmann, „Wie kreativ kann der homo habitualis bei Bourdieu sein?“, in: Udo Göttlich, Ronald Kurt (Hg.), Kreativität und Improvisation, Wiesbaden: Springer VS 2012, S. 99 – 108, und Hilmar Schäfer, „Kreativität und Gewohnheit. Ein Vergleich zwischen Praxistheorie und Pragmatismus“, in: ebd., S. 17 – 27. Zu einer Integration von Bourdieu und Joas vgl. Benjamin Dalton, „Creativity, habit, and the social products of creative action: revising Joas, incorporating Bourdieu“, Sociological Theory (2004, 22, S. 603 – 622), zu einer Anknüpfung an Bourdieu und Ernst Cassirer vgl. Peter Dirksmeier, „Ist Kreativität ein subjektives oder ein kollektives Phänomen?“, in: Geographica Helvetica (2014, 69, S. 147 – 155). Aus der Perspektive der „neuen Soziologie der Kunst“ schließt Nick Fox, „Creativity, anti-humanism and the ‚new sociology of art‘“, Journal of Sociology (2015, 51, S. 522 – 536), an Bourdieu an, während aus musiksoziologischer und medienwissenschaftlicher Perspektive McIntyre u. a. eine Synthese von psychologischer Systemtheorie der Kreativität und Bourdieus Feldtheorie versuchen: Phillip McIntyre, Creativity and Cultural Production. Issues for Media Practice, Houndsmill, Basingstoke: Palgrave Macmillan 2012, und Phillip McIntyre, Janet Fulton, Elizabeth Paton (Hg.), The Creative System in Action. Understanding Cultural Production and Practice, Houndsmill, Basingstoke: Palgrave Macmillan 2016.
Kollektive Kreativität
Zur primär sozialwissenschaftlichen Literatur dieses Typs vgl. u.a. Katherine Giuffre: Collective Creativity: Art and Society in the South Pacific, Farnham, Burlington: Ashgate Publishing 2012; Paul B. Paulus, Bernard A. Nijstad (Hg.), Group Creativity: Innovation through Collaboration, Oxford: Oxford University Press 2003; Brian Uzzi, Jarrett Spiro, „Collaboration and Creativity: The Small World Problem”, in: American Journal of Sociology (111 (2), 2005, S. 447 – 504); Keith Sawyer, Group Genius: The Creative Power of Collaboration, New York: Basic Books 2007; Katherine K. Chen, „Organizing creativity: enabling creative output, process, and organizing practices”, in: Sociology Compass (6/8 2012, S. 624 – 643). Ein spezifisches Forschungsfeld ist in diesem Kontext auch Kreativität in Zusammenhang mit Schwarmintelligenz, Peter A. Gloor, Swarm Creativity: Competitive advantage through collaborative innovation networks, Oxford: Oxford University Press 2006, wobei Mohammad Majid al-Rifaie, Mark J. Bishop, Suzanne Caines, „Creativity and Autonomy in Swarm Intelligence Systems“, in: Cognitive Computation (4 (3), 2012, S. 320 – 331), ein Beispiel für einen Zugang abgibt, der auf den Begriff des Rhizoms von Gilles Deleuze rekurriert.
Kreativität und die britischen Cultural Studies
Auch die britischen Cultural Studies griffen das Thema der Kreativität auf. Dies erfolgte einerseits in Form einer Verherrlichung von „symbolischer Kreativität“ im Rahmen alltags- bzw. populär- oder subkultureller Praktiken, aber auch in Form der Betonung von „kreativem Konsum“. Vgl. Paul Willis, Common Culture: Symbolic work at play in the everyday cultures of the young. Open University Press 1990; Paul Willis, „Notes on common culture: Towards a grounded aesthetics“, in: European Journal of Cultural Studies (1998, 1, S. 163 – 176). Dies entspricht einem anthropologischen Zugang, welcher postuliert, dass jeder und jede als Bricoleur kreativ sei: „There is no script for social and cultural life. People have to work it out as they go along. In a word, they have to improvise.“ Tim Ingold, Elizabeth Hallam, „Creativity and Cultural Improvisation: An Introduction“, in: Dies. (Hg.), Creativity and Cultural Improvisation, Oxford: Berg 2007, S. 1 – 24, hier S. 1. Chris Barker, Cultural Studies: Theory and Practice, London: Sage, S. 67f. und 344f., hebt darüber hinaus die Idee des „kreativen Konsums“ hervor. Andererseits kam aus dieser Ecke des interpretativen Paradigmas jedoch auch Kritik gegenüber dem von New Labour propagierten „kreativen Britannien“, als Ziel formuliert u.a. in einer Schrift des UK Staatssekretärs der Jahre 1997 – 2002 Chris Smith, Creative Britain, London: Faber & Faber 1997. Exemplarisch für die Cultural Studies Kritik an Creative Britannia und Creative Industries sind Keith Negus, Michael Pickering, Creativity, Communication and Cultural Value, London: Sage 2004, und Keith Negus, „Rethinking creative production away from the cultural industries“, in: James Curran, David Morley (Hg.), Media and Cultural Theory, London, New York: Routledge 2006, S. 197 – 208, und Angela McRobbie, Be Creative: Making a Living in the New Culture Industries, Cambridge, Malden: Polity 2016; Geert Lovink, Ned Rossiter (Hg.), My Creativity Reader: A Critique of Creative Industries. Amsterdam: INC 2007.
Ressource Kreativität in theorie der Organisation und Management
Angesichts des ökonomischen Interesses an der Ressource Kreativität wuchs auch die Literatur in den Bereichen Organisationstheorie und Management. Exemplarische Arbeiten dazu sind Todd Lubart, Mark Runco, „Economic Perspective on Creativity“, in Mark Runco und Steven Pritzker (Hg.), Encyclopedia of Creativity, Vol. 1 (A – H), San Diego, CA: Academic Press 1999, S. 623 – 627; Chris Bilton, Management and creativity : from creative industries to creative management. Malden, MA: Blackwell 2007; , (Hg.), Handbook of Organizational Creativity, New York: Erlbaum 2008; Marja Klijn, Welko Tomic, „A review of creativity within organizations from a psychological perspective“, in: Journal of Management Development (2010, 29, S. 322 – 343); Stephen Linstead and John Mullarkey, „Time, Creativity and Culture: Introducing Bergson“, Culture and Organization (2003, 9, S. 3 – 13).
Kreativität in neoliberaler Managementliteratur
Wenn Bruno S. Frey, Arts & Economics, Heidelberg: Springer 2002, 2. Aufl., S. 142 feststellt, „Few economists have explicitly dealt with creativity“, dann übergeht er nicht nur die Literatur zur schöpferischen Zerstörung, sondern auch die in Boltanski, Chiapello, 2006 [1999], a.a.O. behandelte Managementliteratur. Frey selbst importierte die sog. Crowding-Theorie aus der Psychologie, was ihm u.a. die Spezifikation von Bedingungen erlaubte, unter denen ökonomische Anreize hinderlich für kreative Leistungen sind. Ansonsten verweist er auf David Throsby, Culture and Economy, 2001, S. 93ff. An neuerer ökonomischer Literatur wären u.a. zu nennen: Pierre Michel Menger, The Economics of Creativity. Art and Achievement under Uncertainty, Cambridge: Harvard University Press, 2014; Thierry Burger-Helmchen, The Economics of Creativity: Ideas, Firms and Markets, London: Routledge 2013; Carsten Herrmann-Pillath, The Economics of Identity and Creativity: A Cultural Science Approach, Transaction Publishers 2010; David W. Galenson, Understanding Creativity, Cambridge: National Bureau of Economic Research 2010, und die Sammlung zahlreicher seiner Aufsätze zum Thema in Ders., Old Masters and Young Geniuses: The Two Life Cycles of Artistic Creativity, Princeton: Princeton University Press 2011, sowie die Zerlegung von Galensons statistischen „Beweisführungen“ durch Edward E. Tufte, Beautiful Evidence, Chap. Corruption in Evidence Presentations, Cheshire, Conn.: Graphics Press 2006, S. 140 – 155. Vgl. aus einer anderen Perspektive auch Emma L. Jeanes, „‚Resisting Creativity, Creating the New‘. A Deleuzian Perspective on Creativity“, in: Creativity and Innovation Management (15, 2, 2006, S. 127 – 134).
Zum Aspekt Kreativwirtschaft
Mittlerweile gibt es eine überaus breite teils wirtschafts-, teils kulturstatistische Literatur zu „creative industries“ und „creative economy“ in der britischen Einflusssphäre, zu „Kreativwirtschaft“ bzw. „Kultur- und Kreativwirtschaft“ im deutschsprachigen Raum. Angesichts technischer Kritik an offenkundigen Unzulänglichkeiten der empirischen Forschung – vgl. etwa Hasan Bakhshi, Alan Freeman, Peter Higgs, Beyond the creative industries: Mapping the creative economy in the United Kingdom, London: Nesta 2012 – erschienen die entsprechenden, im deutschsprachigen Raum auf Städte wie u.a. Hamburg, Zürich oder Wien bezogenen „Kreativitätsberichte“ in jüngerer Zeit in teilweise stark revidierter Form gegenüber den ersten Versuchen aus den Jahren 1998 – 2003.
Zur supranationalen Sphäre der kreativen Ökononomie
Dazu sind folgende Reports erschienen: UNCTAD, Creative Economy Outlook and Country Profiles: Trends in international trade in creative industries, 2016, http://unctad.org/en/PublicationsLibrary/webditcted2016d5_en.pdf; UNDP/UNCTAD, Creative economy. Report 2008, Geneva, New York 2008, ; UNCTAD, „Trade in creative products reached new peak in 2011“, 15 May 2013, ; United Nations, Creative Economy Report 2013. Special Edition, New York 2013, . UNESCO, Politiques pour la créativité – Guide pour le développement des industries culturelles et créatives, Paris 2012, . Zum administrativ-statistischen Gebrauch des Begriffs in internationalen Organisationen wie u.a. UNCTAD, ILO und Weltbank vgl. Christoph Weckerle, Manfred Gerig, Michael Söndermann, Kreativwirtschaft Schweiz, Daten, Modelle, Szene, Basel: Birkhäuser 2007, S. 9ff.
Philosophische Zugänge
Berys Gaut, Paisley Livingston, „Introduction. The Creation of Art: Issues and Perspectives“, in: Dies., The Creation of Art: New Essays in Philosophical Aesthetics, Cambridge: Cambridge University Press 2003, S. 1 – 32. Berys Gaut, „The Philosophy of Creativity“, in: Philosophy Compass 5 (12, 2010, S. 1034 – 1046), gibt einen Überblick über den philosophischen Diskurs zu Kreativität. Dieser zeichnet sich jedoch durch eine Reihe blinder Flecken aus. So bleiben etwa Henri Bergsons nicht-rationale „kreative Intuition“ und sein Hauptwerk Schöpferische Evolution, Hamburg: Meiner unerwähnt oder auch die „Abduktion“ von Charles S. Peirce, die dieser als eine Form von Inspiration von den „perspirativen“ Schlussformen der Induktion und Deduktion abgrenzte. Vgl. Douglas R. Anderson, Creativity and the Philosophy of C. S. Peirce, Dordrecht: Springer 1987, S. 14ff., und Oliver Bidlo, „Kreativität, Abduktion und das Neue. Überlegungen zu Peirce’ Konzeption des Neuen“, in: Norbert Schröer, Oliver Bidlo (Hg.), Die Entdeckung des Neuen, Wiesbaden: VS 2011, S. 45 – 54 und Helmut Pape (Hg.), Kreativität und Logik, Frankfurt a.M.: Surkamp 1994. Auch Whiteheads Prozessmetaphysik (vgl. Alfred North Whitehead, Adventures of Ideas, New York: Free Press 1967 [1933], S. 179ff.; Robert Hanna, „The Nature of Creativity in Whitehead’s Metaphysics“, in: Philosophy Research Archives (1983, 9, S. 109 – 175), blieb unberücksichtigt im Gegensatz zu Poincarés Prozessmodell oder zu Darwins Kreativitätstheorie. Vgl. Maria E. Kronfeldner, Darwinism, Memes, and Creativity. A Critique of Darwinian Analogical Reasoning From Nature To Culture, Regensburg: Universität Regensburg 2005. Was die jüngere französische Philosophie betrifft wäre ebenso auf die Bedeutung von Kreativität für die Philosophie von Gilles Deleuze zu verweisen (vgl. Peter Hallward, Out of this World: Deleuze and the Philosophy of Creation, London New York: Verso 2006; Craig Lundy, History and Becoming: Deleuze’s Philosophy of Creativity: Deleuze’s Philosophy of Creativity, Edinburgh: Edinburgh University Press 2012) wie auf die für die Sozialphilosophie von Cornelius Castoriadis (Yannis Stavrakakis, „Creativity and its Limits: Encounters with Social Constructionism and the Political in Castoriadis and Lacan“, Constellations, 2002, 9, S. 522 – 539)
An jüngeren Beiträgen sind noch zu erwähnen Dieter Mersch, „Imagination, Figuralität und Kreativität. Zur Frage der Bedingungen kultureller Produktivität“, Sic et Non 4 (1) 2005, Margaret Bode, Creativity and Art: Three Roads to Surprise, Oxford New York: Oxford University Press 2010, und Elliot Samuel Paul und Scott Barry Kaufman, The Philosophy of Creativity: New Essays, Oxford New York: Oxford University Press 2014, und die Kritik des Voluntarismus in der Kreativitätspsychologie von Maria Kronfeldner, „Creativity Naturalized“, Philosophical Quarterly, 2009, 59, S. 577 – 592. Für philosophy of science vgl. Paul Feyerabend, „Creativity: A Dangerous Myth“, Critical Inquiry (1987, 13, 4, S. 700 – 711) und den „spiritual turn“ des „kritischen Realismus“ von Roy Bhaskar, The Philosophy of Metareality: Creativity, Love and Freedom. London: Routledge 2002. Fabian Heubel, Das Dispositiv der Kreativität, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2002, S. 7ff. steht in der Tradition der kritischen Theorie. Instruktiv, wenngleich begrenzt, ist Manfred Brodbeck, „Philosophie der Kreativität“, 2012, http://khbrodbeck.homepage.t-online.de/philkrea.pdf. Vgl. auch Karl-Heinz Brodbeck, Entscheidung zur Kreativität, 4. Aufl., Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2010.
Kognitionswissenschaft verknüpft mit avancierten politischen Theorien
Vgl. Deborah Hauptmann, Warren Neidich (Hg.), Cognitive Architecture. From Biopolitics to Noopolitics. Architecture & Mind in the Age of Communication and Information, Rotterdam: 010 Publishers 2010; Arne De Boever, Warren Neidich (Hg.), The Psychopathologies of Cognitive Capitalism: Part One, Berlin: Archive Books 2013; Warren Neidich (Hg.), The Psychopathologies of Cognitive Capitalism: Part Two, Archive Books 2014.
Die dunklen Seiten der Kreativität
Vgl. u. a. George Becker, The Mad Genius Controversy: A study in the sociology of deviance, Newbury Park: Sage 1978; James Kaufman J. C. (Hg.), Creativity and mental illness, New York, NY: Cambridge University Press 2014; Arnold M. Ludwig, The Price of Greatness: Resolving the Creativity and Madness Controversy, New York: Guilford Press 1995. „Negative Kreativität“ wird thematisiert in David Cropley, Arthur Cropley, James C. Kaufman, Marc Runco (Hg.), The Dark Side of Creativity, Cambridge: Cambridge University Press 2010. Mark A. Runco, „Creativity“, in: Annual Review of Psychology (55, 1, 2004, S. 657 – 687, hier S. 677), verweist darauf, dass auf Kreativität als einer Form von Devianz nicht nur positiv, sondern auch mit Stigmatisierung reagiert wird. Dean K. Simonton, „The mad (creative) genius: What do we know after a century of historiometric research?“, in: James C. Kaufman (Hg.), Creativity and mental illness, New York, NY: Cambridge University Press 2014, S. 25 – 41; Dean K. Simonton, „The Mad-Genius Paradox”, in: Perspectives on Psychological Science (2014, 9, S. 470 – 480).
Die Verbindung mit dem Intelligenzdiskurs
Joy P. Guilford, Creativity, Intelligence, and Their Educational Implications. San Diego: EDITS/Robert Knapp 1968; Andrew A. Comrey, Joy Paul Guilford. Biographical Memoirs, Washington D.C.: National Academy Press 1993, S. 205. Während hinsichtlich der Unabhängigkeit von Intelligenz und Kreativität zunächst noch Unsicherheit herrschte (vgl. z.B. Frank Barron, David M. Harrington, „Creativity, intelligence, and personality“, in: Annual Review of Psychology (1981/32, S. 439 – 476), ist diese Annahme heute durch eine größere Zahl von Studien abgesichert. Meist ergaben sich nur schwache Korrelationen. Vgl. Hyung Chee, „Can Only Intelligent People be Creative? A Meta-Analysis“, in: Journal of Secondary Gifted Education (16, 2/3, 2005, S. 57 – 66); Kyung Hee Kim, „Meta-analyses of the relationship of creative achievement to both IQ and divergent thinking test scores“, Journal of Creative Behavior (2008, 42 , S. 106 – 130).
Digitale Kreativität
Vgl. etwa „digital creativity, which is defined as all forms of creativity driven by digital technologies“ in Kun Chang Lee (Hg.), Digital Creativity: Individuals, Groups, and Organizations, New York u.a.: Springer, S. VI; Monika Vrecar, „Final Death of the Author: Creativity in the Age of Information Society“, In Medias Res (2, 3, 2013, S. 310 – 322); Jean Burgess, „Hearing Ordinary Voices: Cultural Studies, Vernacular Creativity and Digital Storytelling“, Continuum: Journal of Media & Cultural Studies (20, 2, 2006, S. 201 – 214).
Kreativitätstests
Torrance Thinking Creative Test – TTCT, 1966 entwickelt und später mehrfach neu normiert. Vgl. Ellis P. Torrance, The Torrance Tests of Creative Thinking – Norms-Technical Manual Research Edition – Verbal Tests, Forms A and B – Figural Tests, Forms A and B, Princeton NJ: Personnel Press 1966; Kyung Hee Kim, „Can we trust creativity tests? A review of the Torrance Tests of Creative Thinking (TTCT)“, Creativity Research Journal (18, 1, 2006, S. 3 – 14). Für ein anderes Instrument vgl. S. Carson et al., „Reliability, validity, and factor structure of the Creative Achievement Questionnaire“, Creativity Research Journal (2005, 17, 37 – 50). Kim verweist auf eine gesellschaftliche „Kreativitätskrise“ auf der Grundlage von nicht weniger als N = 272,599 Tests in den USA, die zeigen, dass die auf diese Weise gemessene Kreativität nicht im Aufstieg begriffen ist, sondern seit den 1990er Jahren vielmehr rückläufig. Vgl. Kyung Hee Kim, Creativity Research Journal (2011, 23, S. 285 – 295)
Psychologie und Kreativität
Vgl. die instruktiven Übersichtsdarstellungen bei Howard E. Gruber, Katja Bödeker (Hg.), Creativity, Psychology and the History of Science, Dordrecht: Springer 2005; Andreas Reckwitz, Die Erfindung der Kreativität. Zum Prozess gesellschaftlicher Ästhetisierung, Berlin: Suhrkamp 2012, S. 198 – 238, und Todd Lubart, La psychologie de la créativité, Paris: Armand Colin 2003. Einflussreich für die darwinistische Theorie der Kreativität war Donald Campbell, „Blind variation and selective retention in creative thought as in other knowledge processes”, Psychological Review (1960, 67, S. 380 – 400), die kognitivistische Tradition des „divergenten Denkens“ wird dargestellt von Mark A. Runco, Divergent Thinking, Norwood, NJ: Ablex 1991. Und weiter: Ein einflussreiches Werk aus der Gestaltpsychologie ist von Max Wertheimer, Über Schlussprozesse im produktiven Denken, Berlin: De Gruyter 1920. Auf Wertheimer rekurriert sowohl dessen ein „schöpferisches Auge“ postulierender Schüler Rudolph Arnheim, Art and Visual Perception: A Psychology of the Creative Eye, Berkeley & Los Angeles: University of California Press 1954, und Rudolf Arnheim, „What it Means to be Creative“, British Journal of Aesthetics (2001, 41, S. 24 – 5), als auch der späte „creative cognition approach“. Als weitere relevante ältere Quelle zu nennen ist Lev S. Vygotsky, „Imagination and creativity in the adolescent“, in: Robert W. Rieber (Hg.), The collected works of L.S. Vygotsky, Bd. 5, New York: Plenum Press 1998 [1931], S. 151 – 166.
Nicht übergangen werden sollte schließlich die Psychoanalyse: Sigmund Freud, „Der Dichter und das Phantasieren“, Neue Revue (1, 10, 1907/08, S. 720 – 724), und: Ders., On creativity and the unconscious, New York: Harper & Row 1958. In die deutsche Übersetzung von Donald W. Winnicotts Standardwerk über das spielerische Lernen, Playing and Reality, London: Tavistock Publications 1971, wurde angesichts der Kapitel 4 „Playing: Creative Activity and the Search for the Self“, S. 71 – 86, und 5 „Creativity and its Origins“, 87 – 114, der Kreativitätsbegriff in den Titel aufgenommen: Donald Winnicott, . Stuttgart: Klett-Cotta 1973. Bei diesem Werk handelt es sich nach wie vor um das meistzitierte Buch im deutschsprachigen Raum, welches das Wort „Kreativität“ im Titel trägt. (Abb. 03)
Standardreferenzen der humanistischen Psychologie sind Carl R. Rogers, „Towards a theory of creativity“, ETC: A Review of General Semantics (1954, 11, S. 249 – 260) und Frank Barron, Creative person and creative process. New York: Holt 1969. Der sog. System-Zugang der Kreativität wird repräsentiert von Mihalyi Csikszentmihályi, Creativity: Flow and the psychology of discovery and invention, New York, NY: Harper Collins 1997, und Howard Gardner, Creative Minds, New York: Basic Books 1993.
Thema schöpferische Zerstörung
„Creative Destruction“ schließt durchaus auch an die Analyse der kapitalistischen Dynamik von Marx an, der die Zerstörungsmetapher jedoch nicht explizit formuliert. Die Metapher findet sich zunächst in Joseph Schumpeter, Capitalism, Socialism, and Democracy, New York: Harper and Brothers 1942, S. 83. Die deutsche Übersetzung greift dann auf den Begriff des „Schöpferischen“ zurück: „Dieser Prozess der ‚schöpferischen Zerstörung‘ ist das für den Kapitalismus wesentliche Faktum.“ Joseph Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, Bern: Francke 1950 [1946], 2. erw. Auflage, S. 137. Im angelsächsischen Diskurs wurde das auf die Metapher der „kreativen Zerstörung“ rekurrierende Wachstumsmodell von Philippe Aghion und , „A Model of Growth Through Creative Destruction”, in: (1992, 60, S. 323 – 352), besonders einflussreich.
„Paradigmenwechsel“ in der Kulturpolitik
Davon ist sowohl in Schriften der neoliberalen Ökonomen die Rede, die diesen Wandel vorantreiben, als auch in denen ihrer Gegner. Für erstere Tendenz steht exemplarisch das u.a. im Auftrag der EU-Kommission arbeitende Brüsseler Beratungsunternehmen KEA: „Die jüngsten politischen Maßnahmen im Bereich Kultur, Innovation und Kohäsion sind Ausdruck dieses neuen Verständnisses. Sie sind außerdem die Folge eines Paradigmenwechsels, der zu einer stärkeren Wahrnehmung der Verbindungen zwischen den einzelnen Dimensionen der Kultur sowie des Beitrags der Kultur zu Wirtschaft und Gesellschaft führt.“ KEA European Affairs (María Iglesias, Philippe Kern, Valentina Montalto), Nutzung der Strukturfonds für Kulturprojekte, Brüssel: Europäisches Parlament 2012, S. 5. Der Rückgriff auch der Gegenspieler auf diesen Begriff ist dokumentiert in Cornelia Bruell, Kreatives Europa 2014 – 2020. Ein neues Programm – auch eine neue Kulturpolitik?, Bonn: Ifa-Edition Kultur und Außenpolitik 2013 (2. Aufl.). http://nbn-resolving.de/ urn:nbn:de:0168-ssoar-51199-3. Vgl. auch das von Jens Kastner hg. Sonderheft zu „Kreativitätsroutinen“, Bildpunkt Nr. 33, Herbst 2014.
Creative Turn
Vgl. Anne Harris, The Creative Turn. Toward a New Aesthetic Imaginary, Rotterdam: Sense Publishers 2014. Zur Kulturalisierung der Ökonomie und zum „cultural turn“ oder auch den „cultural turns” vgl. Doris Bachmann-Medick, Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften, 3. Aufl., Reinbek: Rowohlt 2009; Stuart Hall, „The Centrality of Culture. Notes on the Cultural Revolutions of Our Time“, in: Kenneth Thompson (Hg.), Media and Cultural Regulation, London u. a.: Sage 1999, S. 208 – 236.
Creative Industries / Creative Economies
Vgl. z. B. Simon Roodhouse, „The creative industries: definitions, quantification and practice“, in: Christiane Eisenberg (Hg.), Cultural industries: the british experience in international perspective, Berlin 2007, S. 13 – 31, .
Zum Paradigmenwechsel von „Kulturindustrie“ zu „Kulturindustrien“, der insbesondere mit Differenzen zwischen Sektoren der Kulturindustrie (im Hinblick auf technologische Basis, Konzentrationsbewegungen, Arbeitsteilung, Organisation, Konsummuster und Ästhetik) begründet wird, schreiben die belgischen Autorinnen: „From 1972 onwards, academics – that is to say mostly French sociologists such as Miège (and …) Mattelart and more in particular Girard (in the report he wrote for the UNESCO in 1972) – launch the concept of ‚cultural industries‘ (in plural). They are followed by American labor and cultural sociologists, such as Hirsch and Peterson and by political and cultural economists such as DiMaggio, Schiller and Garnham. From 1985 onwards, cultural economy researchers too will pay attention to the cultural industries.” Katia Segers, Ellen Huijgh, Clarifying the complexity and ambivalence of the cultural industries, Gent: Recreatief, Vlaanderen 2006. Der Verabschiedung des Kulturindustriebegriffs auf UNESCO-Ebene folgen zunächst Frankreich und United Kingdom Anfang der 1980er Jahre, WTO und europäische Institutionen dann später. Vgl. auch André Girard, „Cultural industries: a handicap or a new opportunity for cultural development?”, in: Cultural Industries: a Challenge for the Future of Culture, Paris: UNESCO 1982, S. 24 – 40.
Zur Verschiebung von „creative industries“ zu „creative economies“ vgl. u.a. David Throsby, „From Cultural to Creative Industries: the Specific Characteristics of the Creative Industries”, paper presented at Troisième Journées d’Economie de la Culture: Nouvelles Frontières de l’Economie de la Culture, conference held at Musée du quai Branly, Paris, 2 – 3 October 2008, Zu diesem Wandel vgl. auch David J. Hesmondhalgh, „Cultural and Creative Industries“, in: The SAGE Handbook of cultural analysis, London: Sage Publications 2008, S. 553 – 569; David Hesmondhalgh, Melissa Nisbett, Kate Oakley, David Lee, Culture, economy and politics: the case of New Labour. Houndmills, Basingstoke: Palgrave Macmillan 2015; Justin O’Connor, The Cultural and Creative Industries: A Literature Review. 2nd ed., Newcastle: Creativity, Culture and Education 2010, : literature-review; Geert Lovink, Ned Rossiter (Hg.), My-Creativity Reader: A Critique of Creative Industries, Amsterdam: INC 2007.
Zum leerformelhaften Gebrauch des Kreativitätsbegriffs
Dieser findet sich insbesondere in ökonomistischen Diskursen, wo er oftmals nicht mehr als ein gut klingendes Label darstellt, worauf u. a. hinweisen Constanze Klotz, Vom Versuch, Kreativität in der Stadt zu planen, Bielefeld: transcript 2014 und Shakuntala Banaji, Andrew Burn mit David Buckingham, The Rhetorics of creativity: a review of the literature, London 2010 (2. Aufl.). Zu Analysen des „kreativen Sektors“ unter instrumentellen Gesichtspunkten vgl. Andreas Wiesand, Michael Söndermann, The „Creative Sector” – An engine for diversity, growth and jobs in Europe, Amsterdam: European Cultural Foundation 2005; KEA, The economy of culture in Europe, Brüssel: KEA European Affairs, European Commission 2006; KEA, The Creative Economy in Europe. EU Policies and Creative Urban Hubs, Brüssel: KEA European Affairs 2009; NESTA, Creating growth. How the UK can develop world class creative businesses, London 2008.
Creative Europe
Vgl. entsprechende Proklamationen einer ökonomistisch-instrumentellen Kulturpolitik etwa in Council of the European Union (EC), Contribution of the cultural and creative sectors to the achievement of the Lisbon objectives – Adoption of the Council conclusions Introductory note. Cult 29, 9021/07, Brussels 8 May 2007, und kritische Reaktionen auf die Neukonzeption von zentralen Förderprogrammen auf europäischer Ebene, Bruell, 2013, a.a.O.; Norbert Sievert, Christine Wingert, „Von der Kulturverträglichkeit zur Wirtschaftsverträglichkeit. Wohin geht die EU-Kulturpolitik?“, Kulturpolitische Mitteilungen, Nr. 136 I/2012, S. 35 – 39; David Hesmondhalgh, Presentation. Defining the Future EU Culture and Media Programmes, European Parliament, Brussels, 26 April 2012,
Neurowissenschaftliche Zugänge
Auf der Mikro-Ebene der Kreativitätsforschung sind in jüngerer Zeit nicht zuletzt angesichts technologischer Neuerungen im bildwissenschaftlichen Bereich neurowissenschaftliche Zugänge zur Kreativität zu erwähnen, ohne dass bislang bahnbrechende Ergebnisse oder Einsichten zu verzeichnen wären. Vgl. u.a. Anna Abraham, „Can a neural system geared to bring about rapid, predictive, and efficient function explain creativity? “, in: Creativity Research Journal (2007, 19, S. 19 – 24); Keith Sawyer, „The Cognitive Neuroscience of Creativity: A Critical Review“, Creativity Research Journal (2011, 23, S. 137 – 154); Margaret Boden, Neuroscience of creativity, Cambridge: MIT Press Cambridge 2013; Andreas Fink et al., „Creativity meets neuroscience: Experimental tasks for the neuroscientific study of creative thinking“, in: Methods (2007, 42, S. 68 – 76). A. Fink et al., „The creative brain: Investigation of brain activity during creative problem solving by means of EEG and fMRI“, Human Brain Mapping (2009, 30, S. 734 – 748).