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Kunstforum-Gespräche · von Heinz-Norbert Jocks · S. 308 - 313
Kunstforum-Gespräche ,

Männer in gerippten Unterhemden

Franz Dahlem ist einer der wichtigsten Akteure in der deutschen Kunstszene der 1960er und 1970er Jahre. Jetzt erschien seine autobiografische Erzählung.
Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks

Franz Dahlem, 1938 in München geboren, hat als Galerist und erster Punk Kunstgeschichte mitgeschrieben. Als er, ein mittelloser Bierbrauer, zusammen mit Heiner Friedrich, beide Mitte zwanzig, am 23. Juli 1963 in München eine Galerie eröffneten, konnte niemand ahnen, welcher Einfluss von ihr ausgehen würde, mit Künstlern wie Gerhard Richter, Cy Twombly, Georg Baselitz, Joseph Beuys oder Robert Rauschenberg. Vor kurzem erschien das Buch „Am liebsten würde ich Marilyn Monroe sein“, eine autobiographische Erzählung in Gesprächen mit Franziska Leuthäußer.

Heinz-Norbert Jocks: Was waren Wendepunkte in Ihrem Leben?

Franz Dahlem: Es gab viele Wendepunkte, einer war der Zweite Weltkrieg. Der Brand 1944 in München auf dem Viktualienmarkt. Die Luftangriffe der Amerikaner. Es hat alles gebrannt. Unser Vater hat meine Schwester und mich in einem kleinen Auto dort rausgeholt. 1945 kehrten wir nach München zurück. Dort bezog mein Vater zusammen mit unserem Kindermädchen Annie, mit drei von fünf Geschwistern und mir eine Wohnung. Solche Erinnerungen lassen sich nicht auslöschen.

Wie erlangten Sie Ihre ästhetische Erziehung?

Im Angesicht der angeblich schönsten Kirche in Bayern. Eine sehr alte mit einer Rosenkranzmadonna, die sofort nach dem Krieg aufs Fürchterlichste zu Tode modernisiert wurde.

Kamen Sie über Ihren Vater zur Kunst?

Er war der Sohn eines reichen Mannes aus Aschaffenburg. Kunst spielte keine Rolle. Schwer herzkrank, war er, bedingt durch die beiden Weltkriege, sehr eigenartig. Im ersten Krieg…


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