Ausstellungen: Frankfurt a.M. · von Gislind Nabakowski · S. 263
Ausstellungen: Frankfurt a.M. , 1985

Gislind Nabakowski

Manfred Stumpf

Zeichnungen Frankfurter Kunstverein

Ein leerer Raum – langgestreckt, darin eine harte Diagonale von Vitrinen. 35 Zeichnungen auf dem Präsentierteller können von schräg oben betrachtet werden. Das Auge kann tasten. Blitzartig drängt sich die Erkenntnis auf, daß es um eine radikale Suche nach der Essenz der Zeichnung geht. Alle Blätter sind genormt – Linien und Striche auf ihnen entstanden mit Rapidographen, dem Werkzeug der Ingenieure. Mit ihnen werden Produkte des 20. Jahrhunderts entworfen, die serienweise hergestellt werden, wie PKWs, Computer und Kühlschränke. Ein Künstler sucht den Anschluß ans 20. Jahrhundert und tut dabei etwas ganz simples. Er entscheidet sich für sein Werkzeug. Die ersten Din-A4-Blätter zeigen Kreise, die sich überschneiden, kreuzen und Segmente bilden, Muster, Linien, Dreiecke. Assoziationen stellen sich ein, zu ganz frühen geometrischen Kulturen – und zu Kirchenfenstern. Auch wenn es am Ende des 20. Jahrhunderts aus dem Bewußtsein verdrängt ist – es ist der Mensch, der die Geometrie entworfen hat: Dreiecke, Kreise, Quadrate gehören unweigerlich zu einem radikalen Vokabular. Tausende von Zeichnungen hat Manfred Stumpf gemacht, in ihnen die Verläufe der Linien erprobt, ertestet, erforscht, bis sie am Ende wie elektrisch aufgeladen Körper umschreiben, in deren Inneren es brodelt und lebt. Als Ruhepunkt, zur Vertiefung und Besinnung hat Kasimir Malewitsch das Quadrat – ob schwarz ob weiß – gewählt. Weil „es häufiger auftaucht, als im allgemeinen wahrgenommen, weil die Hochhäuser in Frankfurt Rechtecke sind und auch das von mir bevorzugte Zeichenpapier“, entschied sich Manfred Stumpf für Rechtecke. Rechtecke lassen noch Bewegung zu, sind ausbaufähig. Wenn Manfred Stumpf…

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