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Ausstellungen: Bonn · von Annelie Pohlen · S. 261 - 262
Ausstellungen: Bonn , 1985

Annelie Pohlen
Ter Hell

Raum 4, Bonn

»Macht Laune« schrieb Ter Hell in der Art von Mauer-Beton-Anarchisten in eines seiner neuen, von blutigem Rot und aggressivem Schwarz bestimmten Bilder. Just als er diese im Raum 41 in Bonn vorstellte, eröffnete am Kunstverein die Ausstellung »Moritzplatz«. Damit waren zwei herausragende Berliner ‚Positionen‘ der 80er Jahre vertreten, was durchaus Laune machen konnte, darüber zu reflektieren, wie Künstler in einer der symptomatischsten Städte unserer Zeit ihr Potential einsetzen, um die kreative Haut vor Beton, Mauer, Umwelt zu retten.

Verglichen mit den ‚Heftigen‘ vom Moritzplatz ist die Malerei des Ter Hell gekennzeichnet vom ‚kalten Blut‘ einer sich in spontanen Farbspuren verströmenden Malerei in der aktualisierten Tradition des deutschen Informel. Der Schüler von Fred Thieler hat den poetischen Geist der auf der Fläche schweifenden spirituellen Klänge seiner Vorfahren gebrochen an der kalten Aggressivität von Rot und Schwarz und der Anarchie eingeschriebener Wortfetzen aus dem Bereich gegenwärtiger Rebellen von der Straße.

Bis hinein in den Schriftzug-Charakter taucht die im Graffiti nach außen geschleuderte Gegenkultur an der Berliner Mauer in diesen Bildern auf.

Für sich genommen würde diese von außen in die Kunst getragene Welt sicher nicht ausreichen, um den Stellenwert eines Künstlers in der gegenwärtigen Welt zu belegen. Kennzeichnend für Ter Hells Werk ist die Verschränkung von intuitiv forschender ‚Reflexion‘ über das Medium Malerei im Prozeß des Malens selbst und die Auslotung dieses Mediums als Feld einer für das gesellschaftlich betroffene Subjekt relevanten Ausdrucksmöglichkeit in Farben, Farbspuren und Tönen wie in grafischen Signalen. In diesem Sinne belegt Ter Hells Malerei den…


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