Ausstellungen: Marl , 2011

Annelie Pohlen

Michaela Schweiger

Preisträgerin des 14. Marler Video-Kunst-Preises

Skulpturenmuseum Glaskasten, Marl, 19.6. – 28.8.2011

Wer wüsste nicht um die zunehmende Entwertung individueller wie gesellschaftlicher Subjekte zu messbaren Wirtschaftsfaktoren? Die visionären Entwürfe kreativer Gestaltung von Arbeit und Leben haben sich nachhaltig in einem ‚Freizeitpark‘ allenfalls statistisch relevanter Faktoren erschöpft. Der renommierte Video-Kunst-Preis 1010 gilt einem Werk, das die Wahrnehmung der ökonomisch effektiven Perversion großer Visionen und Träume der Moderne über deren zunehmend radikalere Fiktionalisierung im Film und dessen je raumspezifische Installation in provokant unterkühlter Form herausfordert. Mit Blick auf die Entwicklung des Werkes von „Schon siegt die Fiktion über die Wirklichkeit“, 2002, einem aus der verführerischen Sprache der Comics und der aus dem Netz gefischten Chatkommunikation über eine virtuelle Stadt komponierten Film, hin zu den gegenwärtig im Glaskasten präsentierten Video-Installationen aus den letzten drei Jahren dürfte die Anerkennung der Juryentscheidung nicht schwer fallen.

Wer nach dem beengten Treppenabgang das filmtaugliche Untergeschoss betritt, in dem Michaela Schweiger wie alle Vorgänger ihr Werk präsentiert, ‚prallt‘ im angemessen spärlich beleuchteten Milieu der nicht auf Anhieb überschaubaren Kellerräume auf einen aus handelsüblichen Baumarklatten perfekt und effizient gezimmerten Kubus. Dessen Vorderseite stimmt mit schwarz-weißen Fotodetails in die schnell hochgezogenen Allerweltsfassaden nachmoderner Urbanisierungsnotwendigkeiten ein, während das rückseitige Pendant die perfekte Projektionsfläche bietet für die Vorführung eines Films aus eben jenem globalen Milieu, dem Städte ihr Gesicht und Gesellschaften ihren Lebensraum verdanken. „Besuch bei Themroc“, 2004 /201, ist ein in klassischer Parallelmontage komponierter, mal rasend schneller, mal nachgerade still gestellter Schlagabtausch zwischen Sequenzen aus selbst gedrehten Videoszenen und solchen aus Claude Faraldos…

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von Annelie Pohlen

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