Ausstellungen: Düsseldorf · von Helga Meister · S. 337
Ausstellungen: Düsseldorf , 2003

HELGA MEISTER

Neue Ansätze –

Zeitgenössische Kunst aus Moskau

Kunsthalle Düsseldorf, 31.5. – 13.7.2003

Nach der Perestrojka kamen die Moskauer Künstler aus ihren Kellerlöchern hervor. Die Entmythologisierung begann, aber auch der Kapitalismus, der ein völlig unvorbereitetes Volk traf. Utopie, Ironie und Symbole spielen bei der Identitätsfindung eine wichtige Rolle. Dies zeigt eine Ausstellung aktueller Tendenzen der Moskauer Kunst in der Kunsthalle Düsseldorf, die von Olga Sviblova kuratiert wurde und im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Düsseldorf und Moskau stattfindet.

Wladimir Winogradow und Alexander Dubossarski, Stars der jungen Szene, schufen eine „Neue russische Trojka“. Ihr Großbild zitiert Gogol, der in den „Toten Seelen“ Russland mit einem Gespann verglichen hatte, das einem ihm unbekannten Ziel zufliegt und sich die Frage gefallen lassen musste: „Wohin treibst du, Russland?“ Nun spielt ein nacktes, lächelndes Kleinkind den Wagenlenker. Ob es die Rosse bändigen kann, ist fraglich, denn die galoppieren richtungslos auf einem bunten, poppigen Blumenteppich dahin, scheuchen Hase und Rebhuhn auf und lassen zwei weitere Kinder jubeln. Die Szene wird von einem Regenbogen beschützt. Wohin die Fahrt geht, ist weniger wichtig als der Optimismus im Zeichen einer leuchtenden Zukunft. Ein himmlisches Vergnügen, dieser Glaube an die glückliche Zukunft.

Junge Russen betrachten die mythologische Verklärung ironisch, analysieren aber gleichzeitig das Bedürfnis nach Änderung. Dmitri Fain und Denis Salautin spielen Geburtshelfer in grünen Arztkitteln bei der Schaffung eines russischen Alphabets. Doch es werden immer die gleichen 33 kyrillischen Buchstaben geboren. Das Neue ist das in Vergessenheit geratene Alte. Die neue Sprache ist das alte russische Alphabet. Denn nichts ändert sich in der menschlichen Natur.

Andrej…

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