Titel: Dauer · Simultaneität · Echtzeit · von Gottfried Kerscher · S. 160
Titel: Dauer · Simultaneität · Echtzeit , 2000

GOTTFRIED KERSCHER

Poesie und Filmzeit oder:
Filmzeit – Echtzeit – Nullzeit:

DER SCHLEIER DER ZEIT UND DIE MONTAGE DES INNEREN MONOLOGS

Zeit kennen wir im Film in verschiedenen Varianten. Die Filmzeit ist einerseits diejenige, die filmisch gemessen wird. So etwa, wenn Snake Plissken in John Carpenters ESCAPE FROM NEW YORK (1981 USA) noch 22 Stunden Zeit hat, den amerikanischen Präsidenten aus dem von „Asozialen“ übernommenen New York zu retten (wobei angemerkt sei, dass Plissken zum Schluss den Präsidenten als asozial decouvriert) und im Film scheinbar knapp 22 Stunden vergehen. Carpenter signalisiert innerhalb der 99 Minuten, die der Film real spielt, mehrfach mit einer Einstellung auf eine digitale Uhr die noch verbleibende Zeit des Protagonisten und damit wie lange die Filmzeit – nicht jedoch die reale Spieldauer des Films – nun schon bestand. Es handelt sich um symbolische Zeit. – Dieser abstrakten Zeitdauer oder der symbolischen Zeit ist eine weitere Variante von Zeit hinzuzurechnen. Es ist die Zeit im Sinn von Epoche, in der der Film spielt, sei es in der Gegenwart, in der Vergangenheit oder in der Zukunft. – Schließlich gibt es noch andere Zeiten, auf die hier nicht einzugehen ist.1

Das evozierte also symbolische Zeitmaß ist der Normalfall im Film. Es rafft die Ereignisse und bestimmt die Erzählung, indem Ausschnitte aus Handlungen gezeigt und mit Ursache- und Wirkungsketten derart kombiniert sind, dass der Betrachter die fehlenden Handlungsteile ergänzen kann.2 Es kommt also in besonderem Maß auf den Zuschauer/die Zuschauerin an, wie er/sie Zeitlücken oder Handlungslücken ergänzen kann. Wenn im Normalfall die Handlung gesplittet…

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