Gespräche mit Künstlern · von Jutta Schenk-Sorge · S. 292
Gespräche mit Künstlern , 2000

HANS HEMMERT:

Meine Skulpturen existieren immer nur am Rande einer Katastrophe

EIN GESPRÄCH VON JUTTA SCHENK-SORGE

Der Wahlberliner Hans Hemmert, Jahrgang 1960, begann ganz traditionell mit schweren Stahlskulpturen und arbeitet heute mit Luft und Latex. Obwohl er inzwischen dauerhaftes Material ablehnt und Fotos und Videos zu seinen bevorzugten Medien gehören, versteht er sich immer noch als Bildhauer. Er ist der Frage auf der Spur, wie man im Zeitalter virtueller Welten skulptural arbeiten kann ohne doch Objekte zu schaffen. Dabei besteht ein klarer Bezug zur gesellschaftlichen Gegenwart, zum Alltag wie – mit Understatement behandelt – zu Grundfragen der Existenz. Was vermag eine solche Bildhauerei zu leisten? Die Gewissheit von Beständigkeit und Dauer früherer Zeiten vermittelt sie jedenfalls nicht mehr. Sie versucht statt dessen Anstöße zu geben, um neue Möglichkeiten zur Ortsbestimmung in den wechselnden Szenarien der Gegenwart zu entwickeln.

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Jutta Schenk-Sorge: Wie lange reicht denn die Atemluft, wenn Sie im Ballon sitzen, und wie steht’s mit Platzangst?

Hans Hemmert: In dem kleinen Ballon reicht die Luft etwa eine halbe Stunde. Zuerst hatte ich Angst, dass die Ballons platzen könnten, während ich mich darin befinde. Ich habe sogar Naturwissenschaftler zu Rate gezogen. Aber es ist nicht so gefährlich wie ich anfangs dachte. Ich war in meiner Jugend auch ein sehr körperlicher Typ, physische Grenzsituationen haben mich immer gereizt.

Die gelben Latex-Ballons sind zu Ihrem Markenzeichen geworden. Ist das nicht genau das, was Sie schon mit Ihren ersten Metallskulpturen anstrebten, die wie Marken- bzw. perfekte Industrieprodukte aussehen?

Während meines Studiums kam ich über den Umweg von großen, rostigen und abstrakten…

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