Zeichnen zur Zeit , 2016

Rebecca Salter

Kollektiv erregte Mikroelemente üben sich in Schwarmintelligenz, Bausteine definieren sich im Kollektiv, Strukturfelder sind zu sehen. Bei Rebecca Salter herrscht ein Ostinato, das vielleicht von tiefer liegenden Magnetkräften kanalisiert wird; so jedenfalls ließe sich der Eindruck von diesen durchgearbeiteten Territorien beschreiben, deren Ordnung sich letztlich dem kontrollierenden Nachrechnen entzieht. Dabei sind die Einzelelemente, die sich hier vervielfachen, relativ leicht auszumachen. Striche oder Stäbchen, die zum Beispiel auf schwarzem Karton auftreten, wie aus Glas, weil sie mit weißer Tusche mit einer Bambusfeder gesetzt wurden, in einem systematisch-unsystematischen Gewirr aus geraden und leicht angeschrägten Einheiten. Es gibt einen (fast) gleichgerichteten Fluss der Einzelteile. Und irgendwo dazwischen formuliert sich möglicherweise eine kurze Generalpause, ein gemeinsames Atemholen, eine Grenze, hinter der es ebenso und doch anders weitergeht. Es muss nicht immer so eine Atempause sein, – eine ins Material gesetzte eindeutige Linie kann Grenze sein oder ein rhythmischer Wechsel, eine gleichsam umgepolte Verdichtung. Manchmal verbiegen sich diese Felder auch wie Segel, ja wie Wäsche im Wind, um eine Assoziation des Alltags zu bemühen: Einfachheit ist an allen Ecken und Enden zu spüren, Banalitäten gibt es nicht. Vielleicht ist das in einem durchaus überregionalen Sinne eine ‘Arme Kunst’. Wenn Rebecca Salter Linien aus Punkten summiert, könnte man sich an Dreamlines erinnert fühlen, freilich mit einer fast schon fehlgeleiteten Direktive. Parzelliert werden magische Gebiete, mit einem seltsam gedämpften Eigenleuchten. Möglicherweise geht ein durchaus allgemeiner Grundgedanke von Weltkunst durch diese Blätter. Deshalb ist der (verbale) Nachvollzug mit zentraleuropäischer Gewissheit durchaus schwer zu leisten.

Dass sich diese Blätter…

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von Reinhard Ermen

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