Ausstellungen: Bonn · von Alexander Braun · S. 362
Ausstellungen: Bonn , 2011

Alexander Braun

Rosemarie Trockel

»Zeichnungen, Collagen und Buchentwürfe«

Kunstmuseum Bonn, 2.6. – 4.9.2011

Der Ausstellungstitel „Zeichnungen, Collagen und Buchentwürfe“ zeugt von Understatement. Rosemarie Trockels mehr als 210 Zeichnungen und Collagen von 1970 bis 2011 (in zum Teil selbst von ihr entworfenen Objekt-Rahmen), vereinzelte skulpturale Interventionen und große Teile ihrer Künstlerbuch-Produktion, zumeist Unikat-Bindungen, alles vor ockerfarbenen Wänden (zusammen mit Kurator Christoph Schreier) arrangiert, erscheint am Ende des Parcours eher wie eine Gesamtinstallation, als dass es die akademischen Usancen einer Ausstellung von Papierarbeiten erfüllen würde. Kurz: Die gedämpfte Stille eines Kupferstichkabinetts ist denkbar fern und wird auch nicht vermisst. Die Ausstellung im Kunstmuseum riecht nach Arbeit und Aktion und nicht nach Andacht.

Rosemarie Trockels im weitesten Sinne „zeichnerisches“ Werk – einiges ist eher gemalt, anderes mit Hilfe des Fotokopierers verfremdet, dazu Verklebtes und Vernähtes – mäandert in so weiten Bahnen, dass es unmöglich ist, DEN trockelschen Zeichenduktus zu definieren. Trockel übt sich eher in einer Semantik des Disparaten, die die zuverlässige Unzuverlässigkeit ihrer Begriffe und Stile, das Zerbrechen des Erwarteten zum Prinzip erklärt. Eines ihrer wichtigen Instrumente ist dabei die Ironie, mit deren Hilfe sich das Ge- und Bezeichnete gleichermaßen verunklären lässt, wie es die Künstlerin in die glückliche Lage versetzt, die Perspektive auf den Gegenstand ihrer Betrachtung zu verschieben. Ironie bedeutet bei Trockel, sich vom Status quo zu lösen, sich aufzuschwingen und den Blick auf veränderte Weise neu zu definieren. Vilém Flusser würde es eine Bewegung nennen, „die eigene Bedingtheit zu überschauen“.

Die zeichnerischen Berührungspunkte zu Künstlerkollegen und -kolleginnen ihrer Generation sind vielfältig. In frühen Zeichnungen glaubt…

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