Ausstellungen: Hamburg , 2013

Hajo Schiff

Santiago Sierra

»Skulptur, Fotografie, Film«

Deichtorhallen, Hamburg, 7.9.2013 – 12.1.2014

Eine Synagoge vollgepumpt mit Gas, ein zugemauerter Länderpavillon auf der Biennale in Venedig, Fäkalien-Skulpturen, widersinnige Prozeduren und menschenverachtende Arbeitsaufträge: Manche halten den spanischen Künstler Santiago Sierra für einen sensationssüchtigen Maniak. Andere betonen den kathartischen Charakter seiner geschichts- und kapitalismuskritischen Aktionen. Die bislang größte Retrospektive seiner Arbeiten legt nun jenseits ausagierter Sensationen den Schwerpunkt auf die formale, künstlerische Konsequenz seines Werks.

Hamburg als Ausstellungsort ist nicht zufällig. Im Hafen sah Santiago Sierra Container, Absperrungen und Sandhaufen, Schuttberge und Kohlehalden als gefundene Minimal-Skulpturen, wie erstmals gezeigte Fotos belegen. Der Hamburg-Bezug wird geradezu zum Lokalpatriotismus, wenn der Deichtorhallen-Intendant Dirk Luckow über diese norddeutsche Zeit sagt: „Der Hamburger Hafen war seine Sixtinische Kapelle…!“. Denn was bisher nicht so bekannt war: Hier in der Hafenstadt erfuhr der Künstler aus Madrid wesentliche Prägungen. An die HfBK gelockt von der Hamburger Künstlerin Almut Linde und Anfang der 90er Jahre im Künstlerkollektiv mit ihr und Manuel Ludeña arbeitend, erweiterte Santiago Sierra hier seinen Kunstbegriff. Er studierte bei Bernhard Johannes Blume und Stanley Brouwn, vor allem aber bei Franz Erhard Walther. Von ihm hat er sein an der Sprache minimaler Objekte orientiertes Formgefühl. Wenn aber Santiago Sierra 1991 die in der Hamburger Präsentation nachgebauten Kuben aus gebrauchter LKW-Plane ausstellte, zeigt sich, wie die reine Form durch den durchaus spezifischen, keineswegs mehr minimalistisch konkreten Alltagsbezug kontaminiert wird. Sehr treffend bezeichnet der von Almut Linde geprägte Begriff „Dirty Minimal“ diesen, auch Sierras späteren Aktionen zugrundeliegenden Kunstbegriff.

Eine Quelle für die starke Betonung der sozialen Interaktion…

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