Ausstellungen: Bremen , 2013

Rainer Unruh

Sweet Bitter Symphony

Künstlerhaus Bremen, 9.3. – 19.5.2013

So wie der Sänger auf der Bühne steht, allein mit seiner Gitarre vor einem roten Samtvorhang, könnte er auch einem David-Lynch-Film entstammen. Dazu passt die Zeile „Oh, why do I keep on hurting you“, die Ragnar Kjartansson singt. Immer und immer wieder. Die Wortfetzen wehen durch den Raum und vermischen sich mit den Dialogen der andern Videos. Das nervt, und das soll es auch. Schließlich geht es bei der Gruppenaustellung „Sweet Bitter Symphony“ nicht um den reinen Genuss, sondern um gemischte Gefühle. Um das Wechselspiel von Anziehung und Distanzierung, Aggression und Zärtlichkeit, Freude und Schmerz.

Die Darstellung von Affekten interessiert Kuratorin Stefanie Böttcher, seit sie an einer kunsthistorischen Studie zu Berninis „Verzückung der Heiligen Theresa von Avila“ arbeitete. Als sie 2011 in Berlin Sven Johnes „Greatest show on earth“ sah, das jetzt auch in Bremen gezeigt wird, fasste sie den Entschluss, eine Ausstellung zum Thema des süßen Schmerzes in der Gegenwartskunst zu machen. Anders als im Barock, wo das Thema hauptsächlich in Skulpturen Ausdruck fand, nimmt es heute vor allem im Video Gestalt an.

So wie bei Sofia Hultén, die in „Fuck it up and start again“ (2001) in einem leeren Raum auf sieben verschiedene Weisen eine Gitarre zertrümmert. Mal schleudert die mit ihren Zöpfen mädchenhaft wirkende Künstlerin den Steg mit aller Wucht gegen die Wand, dann trampelt sie mit den Füßen auf dem am Boden liegenden Korpus herum. Bei Tim Etchells & Vlatka Horvat ist die Aggression in den Signifkanten abgewandert. Das Duo sitzt…

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