Ausstellungen: Berlin , 1995

Hermann Pfütze

Uecker – Brief an Peking

mit der chinesischen Gruppe »Xin Kedu«

Neuer Berliner Kunstverein, 3.6. – 16.7.1995

Mit Chinas Wendung zu Kapitalismus und Marktwirtschaft kommen auch westliche Kunst und der Kunstmarkt ins Land. Gilbert & George und Robert Rauschenberg hatten schon große Einzelausstellungen in Peking, und Immendorff konnte dort 1993 sein Mao-Portrait zeigen – fraglos fragwürdig im Geist byzantinisch-zaristischer Bildkult-Tradition, wonach ‚am Kaiser sich ergötzt, wer an seinem Bilde sich freut‘. Gleichzeitig werden chinesische Pop-art und Avantgarde-Kunst von Kunsthändlern aus Taiwan und Hongkong bei den einstigen Untergrundkünstlern en gros gekauft und bestellt. Das alles geht und floriert.

Nach wie vor unerwünscht sind indes – die Maßregelungen der Weltfrauenkonferenz durch Militär und Partei haben es neuerlich bestätigt – wirkliche Zusammenarbeit und freier Dialog, also der Versuch, sich auf Fremdes einzulassen und nicht nur Austausch und Repräsentanz zu fördern. Diese Erfahrung musste Günther Uecker 1994 machen mit seinem „Brief an Peking“ – einem Dialogversuch von ungewöhnlichem Format und buchstäblich unerhörter Annäherung. Es ist, wie er sagt, „eine Anhäufung von Liebesbriefen, die ich geschrieben habe, die bisher unbeantwortet geblieben sind, nicht mal gelesen, nicht mal gesehen.“

Die neunzehn „Briefe“ sind je drei Meter hohe, bis sieben Meter breite, bemalte und beschriebene Tücher, die in Halbmeter-Abständen an der Decke hängen wie Wäsche zum Trocknen, mit Schlitzen und Gängen dazwischen, in denen die „Leser“ hin- und hergehen können. „Ein hängendes Buch im Ausstellungsraum“, dessen Seiten beschrieben und bemalt sind mit Ueckers „Eindrücken erlebter Tage in China“. Das sind Rückbesinnungen seiner ersten China-Reise 1984, Erfahrungen in tibetischen Lama-Klöstern, die Verwandtschaft…

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von Hermann Pfütze

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