Titel: Biennalen in Europa , 2014

Was (alles)zwischen zwei Klammern passt

Die 8. Berlin-Biennale tariert das Verhältnis von Kunst und Politik neu aus

von Ingo Arend

Hellgrüne, flaschengrüne oder moosgrüne Rechtecke: Schmale Farbflecke, übereinandergereiht. Es gehört schon Mut dazu, die zentrale Haupthalle der Berliner Kunst-Werke (KW), exakt jenen Raum, in dem vor zwei Jahren die Occupy-Aktivisten von Artur Zmijewskis 7. Berlin-Biennale ihr Quartier aufschlugen, mit einer schier endlosen Serie filigraner Gouachen zu bestücken. Auf weißem Grund, säuberlich gerahmt, von fast philatelieverdächtigem Format, zeigen sie unmerklich variierte Formen: Landschaftsskizzen, Parzellengrundrisse, verschlungene Linien, gelegentlich mit Aufzeichnungen ergänzt, die mit Bleistift neben die Farbareale gesetzt sind.

Wer will, kann in IRENE KOPELMANS Arbeiten „The Exacte Opposite of Distance“ (2012) „Sampling Green“ von 2012 und „Vertical Landscape“ (2014) des Biennalen-Pudels Kern sehen. Setzt das vielteilige Werk der 1974 geborenen Künstlerin doch geradezu vorbildhaft die Idee von den “Überschneidungen von größeren historischen Narrativen und dem individuellen Leben”1 um, die Juan A. Gaitàn vorab zu einem Kernanliegen seiner Biennale gemacht hatte. Denn in diesen, auf den ersten Block seriell anmutenden, Arbeiten hat Kopelman Reisen in Panama „protokolliert“.

Auf ihnen erkundete sie Formen und Veränderungen des Ökosystems in diesem Teil Mittelamerikas. Die Bilder abstrahieren zwar die Eindrücke der Künstlerin. Und spielen so auf die Verfahren an, die Natur zu kategorisieren und zu abstrahieren. Sie erheben aber keinen Anspruch auf wissenschaftliche Genauigkeit oder Maßstabstreue. Vielmehr sind sie so etwas wie das visuelle Tagebuch der argentinischen Künstlerin. In denen sie subjektiv, emotional, ästhetisch auf das große Narrativ unserer Zeit reagiert: Das Verhältnis des Menschen zur Natur, deren Veränderung an ihr,…

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