Biennalen: Biennale Istanbul · von Michael Hauffen · S. 392
Biennalen: Biennale Istanbul , 2008

Michael Hauffen

10. Biennale Istanbul

Wenn Istanbul seine 10. Biennale begeht, kann es eigentlich um die liberalen und intellektuellen Kräfte in der Türkei nicht allzu schlecht bestellt sein. Aber wie viel dort die Werte der Freiheit, der Demokratie oder der Gleichheit gelten, bleibt doch nach wie vor sehr unklar. Dem Kurator der diesjährigen Biennale, Hou Hanru, kann man jedenfalls ein kritisches Verhältnis zu den politischen Kräften, die derzeit in der Türkei zu bestimmen haben, nicht absprechen. Als Ausstellungsorte wählte er schon einmal gezielt solche Gebäude, die dem anvisierten neuen Image der türkischen Regierung im Weg zu stehen scheinen. Das symbolträchtige Atatürk Kulturzentrum (AKM) beherbergt eigentlich vor allem einen Theater- und Konzertsaal, für die Ausstellung wurden jedoch die weitläufigen Foyers genutzt, die das Flair von in die Jahre gekommenen Modernisierungsidealen verbreiten. Es wurde 1969 eröffnet, ist in den 70er Jahren abgebrannt, wurde danach wiederhergestellt, und soll jetzt im Handstreich wieder abgerissen werden, weil es offenbar zu den neuen Idealen neoliberaler und populistischer Prägung nicht mehr passt.

Auch das IMC, ein weitläufiger Gewerbebau, der vermutlich den herausragendsten Versuch der jüngeren Geschichte der Stadtplanung Istanbuls darstellt, in zentraler Lage eine großzügige und moderne Architektur für Gewerbetreibende bereitzustellen, soll nach jüngsten Plänen nostalgischen Holzhäusern weichen, die das Zentrum endgültig dem touristischen Blick unterwerfen würden.

Gegenüber diesen Tendenzen will die Biennale genauso Stellung beziehen, wie gegenüber globalen Konfliktherden. Unter dem Motto: „Nicht nur möglich, sondern auch nötig – Optimismus im Zeitalter globaler Kriege“, das Hou Hanru auf die Plakate zur Veranstaltung schreiben hat lassen, könnte er zwar den Verdacht…

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