Titel: documenta 14 - Rundgang · von Sabine B. Vogel · S. 218
Titel: documenta 14 - Rundgang , 2017

15 Fridericianum

Das Herzstück jeder documenta ist das Museum Fridericianum. 1779 vollendet, gehört es zu den ältesten öffentlichen Museen Deutschlands. Damals für die Sammlung und Bibliothek des hessischen Landgrafen gebaut, war es von 1810 bis 1813 der Ständepalast mit Parlamentssaal. Seit 1988 wird das streng symmetrische, klassizistische Gebäude ganzjährig wie eine Kunsthalle geführt und gilt als eines der innovativsten Häuser des Landes. Alle fünf Jahre jedoch muss es leergeräumt werden. Dann findet hier die documenta statt – nur nicht dieses Jahr. Denn Katerina Koskina hat gut verhandelt. Sie ist die Leiterin des griechischen Nationalmuseums EMST in Athen. Aus Kostengründen konnte die Sammlung dort bisher noch nicht gezeigt werden. Dann kam die Anfrage der documenta, das Haus für die deutsche Großausstellung zu nutzen – und Koskina nutzte ihre Chance: Als Gegenleistung forderte sie, in Kassel eine ähnlich große Ausstellungsfläche für die EMST-Sammlung bespielen zu können.

Das Konzept im Fridericianum basiert auf einer chronologischen Präsentation spannender, griechischer Kunst. Die Auswahl zielt dabei dezidiert auf politische Werke, was mit Vlassis Caniaris’ (1927–2011, Athen) Installation „Hopscotch“ überzeugend beginnt: Sechs männliche, kopflose Figuren mit Koffern umranden ein Feld, auf das ein Kinderhüpfspiel aufgezeichnet ist. Statt die Kästchen mit Zahlen zu markieren, stehen hier Worte: Arbeitskommission, Konsulate, dann die Entscheidung zwischen Schulmisere und Ausländergesetzgebung, weiter auf Wohnsituation, Fließband, Akkordarbeit – Begriffe aus der Arbeitsmarktpolitik. Dahinter hängt eine beschädigte Fahne. Der griechische Künstler arbeitete lange Zeit in Deutschland und thematisiert in seinem Werk die Migration von Griechen in den 60er und 70er Jahren nach Deutschland. Ganz anders geht…

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