Ausstellungen: Wien · von Heinz Schütz · S. 357
Ausstellungen: Wien , 2010

Heinz Schütz

1989. Ende der Geschichte oder Beginn der Zukunft?

»Anmerkungen zum Epochenbruch«

Kunsthalle Wien, 8.10 2009 – 7.2.2010

Manche Jahreszahlen sind mehr als ein Datum, sie werden zu Symbolen mit geschichtsmythologischer Bedeutung. Als Symbol markieren sie eine historische Zäsur und reduzieren das Heterogene und Unüberschaubare der Geschichte auf eine simple Zahl. Solcherart Verkürzung von Geschichte auf Zahlen spielt nicht zuletzt für die Konstruktion gesellschaftlicher Identität eine wichtige Rolle. Dementsprechend findet sich die in Zahlen verwandelte Geschichte wieder im Erinnerungskult der Gedenktage und -jahre, wo sich der magische Umgang mit Zahlen im Rhythmus der Jubiläen fortsetzt. Mitunter benennt die geschichtsmythologisch aufgeladene Jahreszahl ein klar definiertes Ereignis wie etwa „1789“ die Französische Revolution. Jahreszahlen hingegen wie „1968“ oder „1989“ verweisen auf eine Summe von Ereignissen und stellvertretend auf eine Epoche, das heißt, „1989“ beginnt bereits spätestens Mitte der Achtzigerjahre und ist letztlich bis heute nicht abgeschlossen.

Die Ausstellung der Wiener Kunsthalle ist 1989 gewidmet, einer äußerst geschichtsträchtigen Jahreszahl, deren Bedeutung sich, wie gesagt, keineswegs in einem einzigen historischen Ereignis erschöpft. Zwar lege es durchaus nahe, den Fall der Berliner Mauer am 9. November über die konkrete Bedeutung hinaus auch als ein – in diesem Fall äußerst sinnfälliges – Symbol zu verstehen, als Symbol für „das Ende des Kalten Krieges“, „die Aufhebung des Eisernen Vorhangs“, „die Auflösung des Ostblockes“, „den Zusammenbruch des Kommunismus“, doch Realiter stellt der Mauerfall nur ein Teilereignis eines weitreichenden historischen Prozesses dar. Um auf einige andere Ereignisse zu verweisen: In Polen beginnt das Jahr 1989 mit der Wiederzulassung der Solidarno?? und endet mit…

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