Ausstellungen: Kiel , 2004

JENS RÖNNAU

Accessoiremaximalismu

Kunsthalle zu Kiel, 29.8. – 9.11.2003

Christos Reichtagsverhüllung war dezent gegen die Verhüllung der Kieler Kunsthalle im Jahre 2003: 999 knallrote türkische Nationalflaggen mit weißem Stern und Mondsichel flatterten dort an die historische Fassade gebannt, alles unter sich bedeckend, selbst den legendendären „Kaiser-Balkon“. Es ist ein Werk des Kieler Schriftstellers Feridun Zaimoglus, dem Autor von „Kanak Sprak“, der für Kunsthallenchef Dirk Luckow Teile des Ausstellungskonzeptes entwickelte. Auch die Wortschöpfung des Titels stammt von Luckow und dem Autor und studierten Künstler: „Accessoiremaximalismus“. Beiträge von zwölf international bekannten Künstlern wurden unter diesem Motto gezeigt.

Der freizügige Umgang mit dem Begriff Accessoire – im engeren Wortsinn meint es laut Lexikon „modisches Zubehör zur Kleidung“ – wurde hier genutzt für eine Debatte über kulturelle Identitäten und deren äußere Erkennungszeichen. „Accessoiremaximalismus“ habe den Charakter eines Bildes oder einer Metapher, so Dirk Luckow: „Er ist atmosphärisch-inhaltlicher Leitfaden für die Ausstellung in der Kunsthalle und knüpft an die Thematik der Multikulturalisierung der deutschen Gesellschaft und der damit möglicherweise einhergehenden Unterwanderung unserer ,Mainstream – Kultur an. In den künstlerischen Beiträgen der Ausstellung spielen die Übertreibung, das Extreme im Umgang mit Accessoires eine entscheidende Rolle“.

Zaimoglu hat den Aspekt der Übertreibung für seinen Doppelbeitrag weidlich genutzt. Nicht nur, dass er den Deutschen Hort internationalen Kulturgutes provozierend mit dem knallroten türkischen Flaggenteppich sinnbildlich als „Landnahme“ übersäte. Innen brachte er eine funkelnde Ansammlung von Schmucksteinen, den Fatima-Augen zusammen, mit denen sich zahlreiche Türken als Amulett gegen „böse Blicke“ schützen. Wie Fetische zieren diese Amulette nicht nur die Hälse an Goldketten baumelnd. Sie dienen…

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