Ausstellungen: Frankfurt a.M. · von Christian Huther · S. 338
Ausstellungen: Frankfurt a.M. , 2004

CHRISTIAN HUTHER

Adorno

„Die Möglichkeit des Unmöglichen“

Kunstverein Frankfurt/Main, 29.10.2003 – 4.1.2004

Das hätte Adorno gar nicht gefallen. Zum 100. Geburtstag des Philosophen in diesem Herbst konnte ihn seine Heimatstadt Frankfurt nicht genug feiern. Doch fast alle Veranstaltungen drehten sich um die Biografie des 1969 Verstorbenen. Seine Schriften aber blieben außen vor. Einzig der Frankfurter Kunstverein nähert sich dem Denken Theodor W. Adornos, der als Mitbegründer der Kritischen Theorie und als ungewollter Anreger der Studentenbewegung in den 60er Jahren gilt. „Die Möglichkeit des Unmöglichen“, so der an Adornos Dialektik erinnernde Ausstellungstitel, stellt die Frage, ob seine Philosophie noch aktuell für die bildende Kunst ist. Immerhin sieht Axel Honneth, Adornos Nach-Nachfolger am Frankfurter Institut für Sozialforschung, in diesem Faible fürs Biografische ein Indiz dafür, wie schwer wir uns heute noch mit seinen Schriften tun.

Schwierig ist das Unterfangen des Kunstvereins auch deshalb, weil sich Adorno mehr auf Musik oder Literatur und selten auf die bildende Kunst bezog. Zudem sah er die Funktion der Kunst am ehesten in ihrer Funktionslosigkeit erfüllt. Ein autonomes Kunstwerk konnte für ihn nur gegen die Realität opponieren, indem es sich ihr gleichmachte. Kunst um der Kunst willen war Adorno lieber als eine gesellschaftlich oder politisch inspirierte Kunst, die ihm als platt galt. Aber genau diese (laut Adorno „instrumentalisierte“) Kunst wird momentan (und nicht erst seit der letzten documenta) wieder gepflegt – auch und gerade von Kunstvereinsleiter Nicolaus Schafhausen. Keine leichte Ausgangssituation für Schafhausen und Co-Kuratorin Vanessa Joan Müller, die schließlich Werke von den 50er Jahren bis heute zusammentrugen und so ein erstaunlich…

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