Nachrichtenforum: Aktionen, Pläne & Projekte · von Jürgen Raap · S. 498
Nachrichtenforum: Aktionen, Pläne & Projekte , 2000

BONN: AUSVERKAUF

Der Aktionskünstler Josef Hack ist empört. Am 26. April 2000 inszenierte er vor dem Bonner Kunstmuseum einen „Räumungsverkauf“. Zwischen Einkaufswagen aus dem Supermarkt bereicherten Parolen, wie man sie sonst nur vom Teppichhandel kennt, die Museumsmeile: „Alles muss raus!“ Dazu bot Hack einen fiktiven „Räumungsrabatt“ auf Polke, Baselitz oder Macke an. Anlass der Protestaktion war die Absicht von Museumsdirektor Dr. Dieter Ronte und der Stadt Bonn, aus den Beständen des Museums Werke für 1,8 Mill. Mark zu veräußern. Damit soll ein Defizit ausgeglichen werden, das die „Zeitwenden“-Ausstellung ihrem Ausrichter, dem Verein „Stiftung für Kunst und Kultur e.V.“, eingebrockt hat. Sechs Wochen vor Ausstellungsende hatte man nämlich nur 60.000 Besucher gezählt, anstatt der erwarteten 250.000. Würde nicht die Stadt Bonn für dieses Defizit gerade stehen wollen, müsste die Stiftung Konkurs anmelden (Hack: „Pleiten-Wenden“). Das jedoch wollen Bonns Stadtobere abwenden. Nicht nur Künstler Hack, auch der Deutsche Museumsbund, finden es freilich äußerst bedenklich, öffentlichen Kunstbesitz zu verscherbeln, wenn irgendwo Geld fehlt. In den USA, wo aber die meisten Museen privatwirtschaftlich organisiert sind, in den Niederlanden und in der Schweiz sind solche Maßnahmen zwar schon länger üblich – allerdings wird von den Erlösen dann neue Kunst gekauft. In Deutschland hingegen war es bislang ein Tabu, dass öffentliche Museen in den Kunsthandel eingegriffen hätten.
Walter Vitt, Präsident des Internationalen Kritikerverbandes AICA, warnt ebenfalls davor, die Museen zu „Dukateneseln“ zu machen: Die Kommunen könnten dann ihre verfehlte Finanzpolitik regelmäßig durch Verschleuderung ihrer Kunstbestände ausgleichen wollen. Hack: „Kunst als Zukunftsprojektion darf nicht zum Spielball der…

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