Titel: Parallele Kunst · von Peter Frank · S. 137
Titel: Parallele Kunst , 1992

Peter Frank

Alternative Räume in Amerika:

ein kurzer historischer Überblick

Die „Alternative-Räume“-Bewegung in den Vereinigten Staaten ist, wie die meisten künstlerischen Phänomene, mehr oder weniger spontan durch Eigeninitiativen der Künstler entstanden. Jede Phase dieses Phänomens, das eigentlich eine althergebrachte Tradition „alternativer“ Ausstellungen ist, beruht auf der Unzufriedenheit der Künstler mit dem vorhandenen System der Kunstförderung und dem vorhandenen Publikum. Amerikanische Künstler haben wie ihre europäischen Kollegen Ausstellungsräume geschaffen, die sich deutlich von den etablierten unterscheiden, doch sie waren weniger durch ästhetische Ideologien als durch soziopolitische oder – häufiger noch – einfache praktische Erwägungen geleitet.

Man könnte tatsächlich sagen, daß die wichtigste Antriebskraft in der gesamten Geschichte der alternativen Räume in den Vereinigten Staaten der Wunsch der amerikanischen Künstler war, ihr eigenes öffentliches Schicksal zu bestimmen und den Nutzen, den sie daraus ziehen konnten, zu maximieren – ein individualistischer und zugegebenerweise pekuniärer Beweggrund, so amerikanisch wie apple pie. Die Institutionalisierung des Alternative-Räume-Phänomens, die in den letzten 20 Jahren in den Vereinigten Staaten stattgefunden hat, verschleiert eher diesen Beweggrund, als daß er ihm widerspricht. Dieser Institutionalisierung, die eine Reaktion auf das zunehmende Interesse an dcr Kunst in der amerikanischen Gesellschaft darstellt und vor allem von staatlichen Subventionen (weniger von privaten oder wirtschaftlichen Geldgebern) abhängig ist, steht der Unabhängigkeitsdrang der amerikanischen Künstler entgegen. Man könnte sogar sagen, daß die Generation der alternativen Räume, die sich in den späten 70er und Anfang der 80erJahre entwickelte, eine Reaktion auf die scheinbare Anpassung der vorhergehenden Generation war – zum ersten Mal boten alternative Räume Alternativen zu alternativen Räumen!

Ausstellungsräume,die durch Eigeniniativen…

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