Titel: Parallele Kunst , 1992

Die Kölner Moltkerei-Werkstatt

Von Jürgen Kisters

Die Kölner Moltkerei-Werkstatt entstand 1981. In jenem Jahr übernahm Elisabeth Jappe die Räumlichkeiten des ehemaligen Baak’schen Kunstraumes, wo in den 70er Jahren eine Reihe interessanter Performance- und Konzeptkünstler ausgestellt hatte. Nachdem Elisabeth Jappe die Moltkerei-Werkstatt zunächst allein organisierte, gründete sich bald darauf ein Verein zur Förderung offener künstlerischer Aktivitäten, um die Finanzierung des Projekts sicherstellen zu können. Diese ist, einer unabhängigen Kunstinitiative gemäß, frei und ohne Absicherung, allerdings zu etwa einem Drittel vom städtischen Kulturamt unterstützt. Auf einer solchen Basis bildet die projektgeförderte Finanzierung stets einen jährlichen Drahtseilakt, den Elisabeth Jappe und ein kleines Mitarbeiterteam bislang ohne auffallende künstlerische Abstriche mühsam, aber erfolgreich vollführen.

Die Moltkerei-Werkstatt existiert nunmehr seit zehn Jahren. In dieser Zeit wurde dort eine Vielzahl von vorwiegend ortsbezogenen Kunstereignissen veranstaltet, zuvorderst Arbeitsprojekte, Installationen, Performances. Der Ort hat sich im Laufe der Jahre besonders für die Performancekunst zu einer allerersten Adresse entwickelt. Diese Spielart der Kunst, die sich verstärkt in der gesellschaftlich-künstlerischen Aufbruchssituation der 60er/70er Jahre entfaltete, ist allerdings in jüngster Zeit zunehmend in den Sog von Abnutzungserscheinungen und routinierter Effekthascherei geraten. So wird die Orientierungslosigkeit der gegenwärtigen Kunst gerade auch in der Performance-, Installations- und projektbezogenen Kunst deutlich, die doch in den vergangenen Jahren den künstlerischen Avantgardebegriff nahezu allein noch hatten hochhalten können. Von dieser Entwicklung sind im Laufe ihrer zehnjährigen Geschichte auch das Konzept und Programm der Moltkerei-Werkstatt nicht unberührt geblieben. Als Initiative, die ihren Schwerpunkt vor allem in der Förderung grenzüberschreitender Kunstformen sieht, erscheint der Ort exemplarisch für die Schwierigkeiten der Kunst,…

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