Titel: Parallele Kunst · von Arthur J. Sabatini · S. 147
Titel: Parallele Kunst , 1992

Arthur J. Sabatini

Terrorismus und Performance

»Als Jassir Arafat vor einigen Jahren mit einer Pistole im Gürtel vor der UNO sprach, führte er etwas vor, was als Terroristen-Theater bekannt geworden ist.«

Aus: Lost in the Terrorist Theater, in: Harper’s Magazine, Oktober 1984.

»Es ist das gleiche. Terror ist Theater. Wir inspirieren, wir erschrecken, wir erwecken Entrüstung, Zorn, Liebe. Wir klären auf. Das Theater auch. Der Guerilla ist der große Schauspieler der Welt.«

Aus: John le Carré, The Little Drummer Girl.

Und die ganze Welt ist eine Bühne…

Aber Terrorismus ist nicht Theater. Nicht einmal annähernd. Schriftsteller und Kommentatoren haben offensichtlich das Bedürfnis, den Terrorismus (in seinen vielen Formen) metaphorisch als Theater darzustellen, obwohl sie anscheinend weder das Theater verstehen noch die Metapher sehr weit führen. Doch der Gebrauch einer Sprache und das vorgefertigte Bildersystem, das vom Theater stammt, haben Bestand, wenn das Thema Terrorismus aufkommt. Der Theoretiker Francis Fergusson schrieb in „The Idea of a Theater“: „Wenn wir ein Stück verstehen, müßen wir es als aufführbar betrachten.“1 Das suggeriert, daß wir den Terrorismus verstehen, wenn wir ihn als Theater (ein Stück) bezeichnen, was wir jedoch nicht wirklich tun.

Dennoch ist der Terrorismus nicht wie Theater. Er existiert als erkennbare Form menschlicher Aktivität, deren Beschreibung eine Sprache oder einen konzeptionellen Rahmen verlangt: eine Form der Erkenntnis, die es uns ermöglicht, seine Muster, Verfahrensweisen und Dimensionen zu begreifen. Von seiner Struktur, seinen symbolischen Bedeutungen und seinen historischen und kulturellen Kontexten her ähnelt der Terrorismus der viel nebulöseren Kategorie oder Kunst-unserer-Zeit: der Performance.

Jeder, der mit der Performance-Kunst in ihren…

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