Titel: 55. Biennale Venedig , 2013

Andorra: Javier Balmaseda, Samantha Bosque, Fiona Morrison – Tempus fugit.
Kommissare: Henry Périer. Francesc Rodríguez, Ermengol Puig, Ruth Casabella. Kuratoren: Josep M. Ubach, Paolo De Grandis. Ort: Nappa 90, Arsenale Nord

Die Halle ganz am nördlichen Ende der Arsenale ist düster. Im vorderen Bereich gibt es eine Ausstellung mit chinesischer Kunst, die man durchqueren muss, bevor man in den Pavillon von Andorra gelangt. Hier hat Javier Balmaseda seine beklemmende Installation „Fixed in Contemporaneity“ aufgebaut: Zehn ausgestopfte Pferde stehen im Raum – allerdings nicht auf eigenen Beinen (die wurden ihnen amputiert), sondern auf Wagenhebern. Man könnte sich vorstellen, die Herde stünde im Wasser, in einem Teich, und alles wäre gut. Ist es aber nicht. So lebendig sie aussehen – die verkrüppelten Tiere können sich nicht rühren, sind wie eingefroren in ihrer Situation. Mit diesem drastischen Ensemble erinnert Javier Balmaseda nicht nur an brutale Übergriffe auf Pferde, wie er sie in seinem Heimatland Kuba erlebt hat, sondern er erschafft eine Metapher der Verzweiflung, wie sie Menschen erfahren, die sich aus einer für sie unerträglichen Lebenssituation nicht befreien können.

„Tempus fugit“ lautet der Obertitel der Ausstellung im andorranischen Pavillon. Ein passendes Motto, auch für das Video von Fiona Morrison. Die Andorranerin widmet sich dem Thema des Alterns, dem Verfall des Körpers, den sie in nachdrücklichen, poetischen Aufnahmen festhält und mit Bildern der Natur in Zusammenhang bringt. Um vergessene, wiederbelebte Erinnerungen geht es in der Installation von Samantha Bosque. Ihre Arbeit basiert auf einem Flohmarktfund von alten Glasplattennegativen. Bosque hat die Aufnahmen auf fast…

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von Susanne Boecker

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