Titel: Kunst im Licht von Konkurrenz ... · von Walter Holzer · S. 112
Titel: Kunst im Licht von Konkurrenz ... , 2005

WALTER HOLZER

ART AND ITS DOUBLE

EINE COLLAGE VON ECHTER FÄLSCHUNG ÜBER ECHTE ZUNEIGUNG ZU ECHTER ANEIGNUNG

Zwischen „echter“ Fälschung und „echter“ Kopie oder Reproduktion eines Originalwerkes liegt das weniger Echte, – die Nachahmung, das Plagiat, die farbige Grauzone mehr oder weniger subtiler Aneignung. Ein Diptychon identischer Bilder in braun und schwarz von Marcel Broothaers trägt den Vermerk „Imitation, Kopie, Original“.

Es gibt immer nur ein „Original“, eine „Originalidee“. Ein Akt steigt als Idee nur einmal eine Treppe hinab (auch wenn er nie unten anlangt). Danach wird der Abstieg Wiederholung, Kopie, Doppelgänger, Aneignung.

In der digitalisierten Welt, in der die berechtigte oder unberechtigte Kopie durch einen Mausclick zum Alltag gehört, ist die Frage zu stellen, ob nicht die Kopie der Wirklichkeit angemessener ist als das meist unzugängliche Original. 1968 wird in einer New Yorker Galerie ein „Xeroxbook“ ausgestellt. Ein Xeroxkopien-Katalog von Arbeiten Lawrence Weiners, Carl Andres, Joseph Kosuths und anderen. Die Originale werden nicht ausgestellt.

Lange vor Anbruch des Benjaminschen Zeitalters „der technischen Reproduzierbarkeit“ kopierten Künstler ihre Arbeiten, um ein und dasselbe Kunstprodukt unter ihrer Signatur mehrmals gewinnbringend auf den Markt zu werfen. Gleiche oder nahezu gleiche Werke wurden im 17. Jahrhundert von dem Maler(ei)unternehmen Brueghel hergestellt. Pieter Brueghel der Jüngere betrieb nach dem Tod Pieter Brueghels des Älteren ein lukratives Kopierunternehmen. Die „Originalkopien“ unterscheiden sich nur „bei näherer Betrachtung“ wegen hinzugefügter Figuren oder Abänderung von Details geringfügig vom Original.

Auch Rembrandts Werkstatt produzierte Rembrandts („Rembrandt / Not Rembrandt“, Ausstellung im Metropolitan Museum New York 1995/96), deren wesentlicher Bestandteil, im Sinne von „Corporate Identity“, die Signatur des…

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