Titel: Im Blickpunkt: China , 2005

DIE SAMMLUNG ALS EIN ZUGANG ZU CHINA

DER SCHWEIZER EX-BOTSCHAFTER ULI SIGG ÜBER DIE AKTUELLE CHINESISCHE KUNST, GESELLSCHAFT UND POLITIK

Amine Haase: Herr Sigg, wie ist Ihre Sammlung chinesischer Kunst, die Sie – zumindest zum Teil – in Ihrem Schloss in der Schweiz umgibt, entstanden?

Uli Sigg: Ich kam Ende der siebziger Jahre nach China. Damals habe ich das erste Gemeinschaftsunternehmen zwischen China und dem Westen ins Leben gerufen. Zuvor war ich schon sehr interessiert an westlicher Kunst und habe die auch gesammelt. Also war es ganz selbstverständlich, mich dort der chinesischen Kunst zuzuwenden. Ich hatte das Glück, in China die zeitgenössische Kunst seit ihrer Geburtsstunde, die man auf 1979 datieren kann, mitzuerleben. Zunächst erschien sie mir nicht besonders interessant. Die Künstler kamen alle aus dem sozialistischen Realismus: in den fünfziger, sechziger, siebziger Jahren Stil und Inhalt zugleich, die einzig gestattet waren. Für anderes hatten sie weder Freiraum noch Ressourcen, nicht mal für private Fingerübungen. Alles, was man bei uns in der Ausbildung mitbekommt, mussten die chinesischen Künstler nun individuell aufarbeiten. Also haben sie erst einmal wie die Impressionisten und wie die Expressionisten gemalt; das war für ein westliches Auge natürlich nicht besonders interessant. Erst ab Mitte der achtziger Jahre haben sie zu einer eigenen Sprache gefunden. Von diesem Zeitpunkt an wurde chinesische Kunst für mich interessant. Die ältesten Arbeiten meiner Sammlung stammen aus dieser Zeit, also Mitte der achtziger Jahre. Ich habe dann irgendwann in den neunziger Jahren realisiert, dass niemand chinesische Kunst sammelt, zumindest nicht systematisch – weder einzelne Personen noch…

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