Titel: Kunst im Licht von Konkurrenz ... · von Rainer Metzger · S. 36
Titel: Kunst im Licht von Konkurrenz ... , 2005

RAINER METZGER

KUNST IM LICHT VON KONKURRENZ, NEID UND RIVALITÄT

EINIGE MARKIERUNGEN AUF EINEM UNENDLICHEN FELD

Konkurrenz. Belebt das Geschäft
Gustave Flaubert, Das Wörterbuch der Gemeinplätze

1. Vom Sprayer zum Player: Einleitung

Am 28. Februar 1974 wurde Picassos „Guernica“ das Ziel einer Sprayattacke. KILL LIES ALL prangte es plötzlich auf der Riesenleinwand, ein wenig verwirrend, doch auf jeden Fall sehr knallig. Dass gerade das Antigewaltbild schlechthin einen bildzerstörerischen Impuls auf sich gezogen hatte, mochte dabei weniger an seiner Thematik liegen als an seinem Status der Weltberühmtheit, der den Übergriff von vornherein schlagzeilenträchtig machen würde. Picassos Werk hing damals noch im Museum of Modern Art, und es war ein in New York lebender Perser, der sich an ihm verging. Er sollte später seinerseits durchaus berühmt werden, und ausschlaggebend dafür war nicht die Tat. Er sollte berühmt werden als Galerist.

Nachdem er sich längst etabliert hatte, wollte Tony Shafrazi naturgemäß nicht mehr viel wissen von seinem seinerzeitigen Ungestüm, und wenn er sich widerwillig, etwa gegenüber Peter Moritz Pickshaus, der seinem und seinesgleichen Handanlegen das instruktive Buch „Kunstzerstörer. Fallstudien: Tatmotive und Psychogramme“ gewidmet hat, dazu äußerte, dann mit der Geste der Kunstimmanenz1. Er habe eine artistische Handlung an „Guernica“vollzogen; es sei eine rein piktorale und genuin bildnerische Aktion gewesen, weswegen sich die Umsetzung in gesprochene und geschriebene Sprache verbiete; die Tat sei ein „Rätsel“ und verlange nach einer Interpretation und nicht nach einem etwaigen Geständnis: Shafrazi sagte, was man eben so sagt, wenn einem etwas peinlich ist und man über die intellektuellen und verbalen Fähigkeiten verfügt, diese Peinlichkeit diskursiv…

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