Biennalen: Biennale von São Paulo · von Hajo Schiff · S. 200
Biennalen: Biennale von São Paulo , 2005

GESCHICHTE DER AUSSTELLUNG UND THESEN DES KURATORS

VON HAJO SCHIFF

São Paulo wurde 1554 als kleine Jesuitenniederlassung gegründet. An ihrem 450. Geburtstag ist sie die grösste Stadt Südamerikas und wächst täglich weiter. Die Metropolregion mit etwa 20 Millionen Einwohnern und fünf Millionen Autos ist vielleicht die grösste der Welt. Mit seinen auch im internationalen Vergleich erstrangigen Museen und Galerien ist es das Kulturzentrum Brasiliens, wenn nicht gar Südamerikas. Seit 1951 wird hier die zweitälteste Biennale der Welt veranstaltet, gegründet nach dem venezianischen Modell von einer Gruppe kunstsinniger Grossindustrieller und reicher Kaffeebarone unter Führung des italienischstämmigen Francisco Matarazzo Sobrinho. Auch der erst 1948 nach São Paulo übergesiedelte deutsche Kunsthistoriker Wolfgang Pfeiffer war Mitglied der Gründungsgruppe. Erklärtes Ziel war es, São Paulo zum „centro artistico mundial“ zu machen – zu einem Weltzentrum der Kunst. Schon bei der zweiten Biennale wurde immerhin Picassos Jahrhundertbild Guernica gezeigt. Als Besonderheit hatte die Biennale immer eine erstrangig bestückte kunsthistorische Sonderschau und eine eigene Ausstellung brasilianischer Künstlerinnen und Künstler, letztmalig bei der von Paolo Herkenhoff kuratierten 24. Ausgabe 1998. Das Budget hatte zu diesem Zeitpunkt etwa die Höhe des documenta-Etas erreicht.

„Freies Territorium“ mit Gratiseintritt

Aufgrund finanzieller Probleme und personaler Querelen, sowie aufgrund der ohnehin zahlreichen Veranstaltungen zur 500-Jahrfeier der Entdeckung Brasiliens durch Pedro Alvares Cabral fiel die Biennale im Jahr 2000 aus. Seit 2002 wird sie erstmalig überhaupt von einem Ausländer geleitet, dem Deutschen Alfons Hug. Der neue Chefkurator ist derzeitiger Leiter des Goethe-Instituts in Rio de Janeiro und war davor in Indonesien, Nigeria, Brasilia und Moskau, sowie von 1994-98…

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