Ausstellungen: Graz · von Vitus H. Weh · S. 376
Ausstellungen: Graz , 1999

Vitus H. Weh

Bildung

Grazer Kunstverein, 25.9. – 31.10.1999

Der Steirische Herbst präsentierte sich dieses Jahr als Labor: geforscht wurde unter anderem über den Zusammenhang von Glam-Rock, afrodiasporischer Popkultur und dem Begriff der Avantgarde („Re-Make/Re-Model“), über den Stand der Computerkultur („netz_bedingung“) und die Körperwahrnehmung in Zeiten beliebiger Rekombinierbarkeit („Der anagrammatische Körper“). Besonders auffallend war dabei das Phänomen der „Arbeitsgruppe“. Selbst die diesjährige Hauptveranstaltung des Steirischen Herbstes „Re-Make/Re-Model. Secret Histories Of Art, Pop, Life, And The Avant-garde“ hatte mit einer herkömmlichen Ausstellung nicht mehr viel zu tun. Die meiste Energie floss dort in die Präsentation der Ergebnisse dreier Gesprächskreise, die der Kurator Christoph Gurk (früherer Chefredakteur der Musikzeitschrift spex) in Berlin, Chicago und London initiiert hatte. Die Berliner Gruppe um Diedrich Diedrichsen kümmerte sich um das Phänomen „Glam-Rock“ zu Anfang der siebziger Jahre. David Bowie und Gruppen wie T. Rex, The Cockettes, The Dolls, Roxy Music, Kiss oder Queen führten damals über den Weg des Glitter-Pop die Themen Cross Gender und Cross Genre ein. Die Londoner Gruppe um Kodwo Eshun beschäftigte sich dagegen mit der Umdeutung modernistischer Fortschrittsbegriffe für die Befreiungsbestrebungen schwarzer Popkulturen. Die Geschichte der Sklavenverschleppung wird dabei zum Beispiel mit Motiven der Weltraumfahrt und des Science-Fiction umgedeutet. Die Gruppe aus Chicago wiederum widmete sich unter dem Titel „Billowy Sleeves“ dem Nutzen von Dialekten und ideosynkratischen Umgangssprachen für die eigene Abgrenzung und als Ausgleich kultureller Isolation.

Zur Deutlichkeit und auf den Begriff gebracht wurde der „Hang zur Arbeitsgruppe“ schließlich vom Projekt des Grazer Kunstvereins. Unter dem Titel „Bildung. Information, Kommunikation und Didaktik in der…

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