Ausstellungen: Potsdam · von Hermann Pfütze · S. 330
Ausstellungen: Potsdam , 2013

Hermann Pfütze

Cäcilie Davidis

»Papier-Ballett«

Einstein Forum, Potsdam, 7.11.2013 – 31.1.2014

Auf den ersten Blick wirken die einzelnen Tänzerinnen und ihre Schatten auf den großen Fotografien von Chris Korner dynamischer und lebendiger als die kleinen Figuren selbst. Einhundert handgroße, zarte und leichte, nackte Frauenfiguren aus weißem Papier hängen in schwungvollen, akrobatischen Ballett- und Sprungposen an unsichtbaren Fäden von der Decke. Ihre Dynamik, verstärkt durch die unscharfen Schatten, zeigen freilich die Fotografien besser als z.B. ein Luftzug, der aus dem Ganzen eher ein Mobile macht. Dieses schwebende Papierballett wirkt instabiler und zerbrechlicher als die Tänzerinnen auf den Fotografien, deren Körperbeherrschung, Schwung und sportlich-artistische Beweglichkeit sie in jedem Moment, auch in extremen Posen zu stabilisieren scheinen. Auf ihnen erfreuen die Figuren sich unabhängiger Bewegungsfreiheit, während sie real an Fäden hängen, scheinbar zerbrechlich und schwerelos, ohne eigenen Halt. Auf den Fotografien indes sind sie Meisterinnen ihres Schwungs und Gleichgewichts.

Cäcilie Davidis modelliert die Figuren auf Festkörpern aus Pulpe, einer Masse aus gemahlenem Packpapier, das ausgehärtet wie Holz sich feilen und schleifen lässt. Auf das lackierte und gefettete Modell wird dann der mit Bindemittel gemischte weiße Papierbrei dünn und feucht aufgetragen und nach der Trocknung als feste Haut abgezogen. Die Figuren entstehen nach dem Schachtelprinzip: Erst wird der Brei auf der Hinterseite aufgetragen und getrocknet, dann auf der Vorderseite, jede Figur entsteht immer nur aus zwei Teilen. Die Pulpe-Formen sind, wie der Leisten des Schusters, der harte Kern der Sache, dem die Figuren ihre Spannung und Stabilität verdanken und ihre Reproduzierbarkeit. Es sind zwar einzelne Figuren, aber keine…

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