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Ausstellungen: Osnabrück · von Kerstin Stremmel · S. 266 - 267
Ausstellungen: Osnabrück , 2017

Danse Macabre

Ein interdisziplinäres Projekt in Osnabrück 29.01. – 25.06.2017
von Kerstin Stremmel

Dank der narrativen Architektur von Daniel Libeskind herrscht im Felix-Nussbaum-Haus jene klaustrophobische Atmosphäre, die die letzten Lebensjahre des Malers bestimmt haben muss: Er verbrachte sie im Brüsseler Exil, wo er seine Hauptwerke bis zum Zeitpunkt seiner Verhaftung im Juni 1944 schuf. Die ständige Sammlung wird derzeit durch eine Themenausstellung ergänzt, die zur Stimmung des Hauses und einigen ihrer Hauptwerke passt: „Danse macabre. Tanz und Tod in der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts“.

Wegen der facettenreichen Exponate wirkt die Präsentation trotzdem nicht bleiern. Im Hauptraum finden sich ein expressionistisches, statisch wirkendes Ölgemälde und sehr lebendige Kreidezeichnungen, die Ernst Ludwig Kirchner 1926 in Dresden vom „Totentanz“ der Ausdruckstänzerin Mary Wigman und ihres Ensembles gemacht hat. Ergänzend werden für die Tänze geschaffene Masken und Fotografien Wigmans gezeigt, die mit den Mitteln der Groteske gegen eine höhere Gewalt antanzte. Daneben gibt von Otto Dix und Ernst Barlach bedrückende Bilder unter dem Eindruck des 1. Weltkriegs – etwa die „Leichen im Drahtverhau“ von Dix, die sich nach einer grausamen Choreographie verrenkt haben, aber auch Walt Disneys Kurzfilm „Skeleton Dance“ aus dem Jahr 1929, in dem zur Geisterstunde die Gerippe aus den Gräbern steigen und sich unter anderem in Musikinstrumente, ein Rippenxylophon, zerlegen, bis der Spaß beim Morgengrauen vorbei ist.

Besonders beeindruckend ist ein kleiner Videoclip, den man beim Betreten eines der bedrückend schmalen, langen Gänge des Nussbaum-Hauses auf dem Weg zur ständigen Sammlung sieht: „Dancing Auschwitz“, ein Film, in dem Jane Korman ihren Vater, Adolek Kohn…


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von Kerstin Stremmel

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