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Titel: Public Image · von Rosa Windt · S. 100 - 109
Titel: Public Image , 2017

Kunst im öffentlichen Raum – ein Mythos

Von Herrscherdenkmälern und Marketingstrategien
von Rosa Windt

Imagemaßnahmen in Kulturmetropolen

Seit den 1960er Jahren spielt Kunst im öffentlichen Raum eine tragende Rolle, wenn es um die zukünftige Entwicklung einer Stadt geht. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wurde beispielsweise 2004 in Hamburg die Hamburg Marketing GmbH gegründet, deren Aufgabe fortan darin bestehen sollte, das aktuelle städtische Leitbild zu verfolgen und umzusetzen: „Innovativ, attraktiv, traditionsbewusst und aufgeschlossen – Hamburgs kulturelles Profil ist unverwechselbar. Um dieses Charakteristikum zur Profilierung der Marke Hamburg auszuschöpfen, will die Stadt ihren Status als eine der faszinierendsten Kulturmetropolen Europas festigen und weiter ausbauen.“1 Als geeignete Maßnahme, um diesem Anspruch gerecht zu werden, wurden 2005 in einer groß angelegten Aktion einhundert Figuren von Wasserträgern als Verkörperung eines Hamburger Wahrzeichens im öffentlichen innenstädtischen Raum platziert. Die sogenannte Hummel-Parade wurde durch Sponsoren finanziert, die sich jeweils in bunter Bemalung und Platzierung ihres Logos auf ihrer Skulptur verewigen durften. Aufgrund der (angeblich) positiven Resonanz der Hamburger Bevölkerung und deren Besucher wurde das Projekt auf zwei Jahre verlängert. Anschließend sind die Skulpturen versteigert und der Erlös einem gemeinnützigen Zweck gestiftet worden. Hamburg folgte mit der sogenannten Hummel-Parade einem Trend, der 2000 erstmals in New York in Form einer Cow-Parade großen Anklang als städtische Aktion für Kunst im öffentlichen Raum gefunden hatte.2 Tatsächlich kann es sich bei solchen öffentlichen Raum okkupierenden Projekten aber weniger um die Bildung kultureller, bildungsvermittelnder Kontexte handeln, als vielmehr um eine Privatisierung und Kommerzialisierung von öffentlichem…



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