Titel: Lebenskunstwerke , 1998

WILHELM SCHMID

Das Leben als Kunstwerk

Versuch über Kunst und Lebenskunst
ihre Geschichte von der antiken Philosophie bis zur Performance Art

Lebenskunst: Ein alter Begriff zieht neues Interesse auf sich, individuell und gesellschaftlich, in der Philosophie und in den Künsten. Ein bekannter französischer Philosoph war daran nicht unbeteiligt, der bemerkte, „dass Kunst in unserer Gesellschaft zu etwas geworden ist, das nur Gegenstände, nicht aber Individuen oder das Leben betrifft. Dass Kunst etwas Gesondertes ist, das von Experten, nämlich Künstlern, gemacht wird. Aber könnte nicht das Leben eines jeden ein Kunstwerk werden?“1

Kaum eine Aussage Michel Foucaults ist in den zurückliegenden Jahren so häufig zitiert worden wie diese. Was aber könnte mit dem schillernden Begriff des Lebens als „Kunstwerk“ gemeint sein? Geht es um die alte avantgardistische und, wie man dachte, längst gescheiterte Verschmelzung von Kunst und Leben? Wo liegen die Schnittstellen zwischen Kunst und Lebenskunst und läuft das Projekt der Lebenskunst etwa darauf hinaus, die Autonomie der Künste in Frage zu stellen? Es erscheint sinnvoll, zunächst einige Grundzüge der Geschichte der Lebenskunst zu skizzieren, um zu sehen, wie es überhaupt zur Verknüpfung von Kunst und Lebenskunst gekommen ist.

Kurze Geschichte der Lebenskunst

Die Lebenskunst war, was im ausgehenden 20. Jahrhundert kaum noch vorstellbar erscheint, einst in der Philosophie beheimatet. Ja man kann sogar die These wagen, dass – jedenfalls in der Antike – die Suche nach einer Lebenskunst das leitende Anliegen der Philosophie gewesen ist.

Philosophie wird oft mit reiner Theoriebildung gleichgesetzt, aber in der Antike war die theoretische Arbeit kein Selbstzweck, sondern leitete die philosophische Lebensführung…

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von Wilhelm Schmid

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