Titel: Lebenskunstwerke , 1998

Ulrich Loock

Der Mythos der Junggesellenmaschine

Schneiders Arbeit gibt dem Unheimlichen einen Ort (keine Bannung, kein Exorzismus). Es liegt auf der anderen Seite. Im Haus in Rheydt haben die multiplen Einbauten eine etwas andere Situation hergestellt. Zwischenräume erzeugt. Verschiedene Videos dokumentieren das Eindringen in solche dunklen verwucherten und beengten Zonen, unheimlich genug, vor allem, wenn seltsame oder grauenerregende Überbleibsel (vergessen, versteckt) im Licht der Taschenlampe auftauchen. In den Zwischenräumen können gerade nicht gebrauchte Materialien eingelagert werden, sie können aber auch besetzt werden mit Figuren und Räumen, die anderswo keinen Platz haben durften oder unerwünscht waren. In den hintersten Schichten des Hauses die Fotos der Eltern und Großeltern, mit der Vorstellung, Lebenden und Toten würden in dem Bau ihre festen Plätze zugewiesen, die aufblasbaren Sexpuppen zwischen allerlei Müll im Zwischenraum eines doppelten Fußbodens, die neuen Einbauten eines kühl weißen, mit sanitären Vorrichtungen ausgestatteten Schlafzimmers, und tief unten, in der Gegend des Kellers, Puff/Diskothek. Neuerdings hat Gregor Schneider auch vertikal die Flächen des Hauses durchbrochen. Man hat den Mythos der Junggesellenmaschine* ins Spiel gebracht. In der Tat, die repetitive, unproduktive Arbeit, die Ausbildung von Frauenphantomen und den entsprechenden Lokalitäten legt das nahe. Doch sollte man sich nicht irreführen lassen. So obsessiv Schneiders Praxis auch sein mag, wirklich ist, er ist nicht horizontlos in sie verwickelt: der Verschleiß ist eine Strategie. Daher kann Schneider auch Räume aus dem Haus herausreißen und anderswo einbauen, d.h. ausstellen, ohne andererseits art autre zu exponieren und so die eigene Produktion auszubeuten. Der Ausstellungsmodus ist konsistent mit der bisherigen, zehn-…

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