Titel: Lebenskunstwerke · von Axel Stein · S. 80
Titel: Lebenskunstwerke , 1998

LAURA ANDERSON BARBATA

Amazoniens Alphabet

von Axel Stein

GESANG AN DEN SCHÖPFER

Hier hat Wadhe die Luft gemacht,
die frischen Bäume,
den weißen Stein.
Daher lieben wir dieses Land,
ein schöneres gibt es nicht

Wir lieben die Erde
auf ihr leben wir,
sie hat uns das Blasrohr geschenkt

Wir lieben diese Erde
alles, was auf ihr lebt,
das Wasser,
das gesegnete Wasser,
das lebensspendende serume

Alles ist wichtig
die Fische
die Tiere
die Vögel
der Wald

und alles was lebt

Francisco Díaz
Ye’Kuana-Gemeinde Culebra, Río Kunukunuma,
Staat Amazonas, Venezuela 1996

Die Arbeit eines Künstlers, einer Künstlerin ist eigentlich immer etwas Einzigartiges. Im Fall von Laura Anderson bekommt sie aber eine prometheische Dimension. Es gibt zwei Laura Andersons: die erste läßt sich nach den gültigen kunstgeschichtlichen Konventionen für Gattungen wie Bildhauerei, Zeichnung und Installation analysieren. Diese Äußerungen versuchen grosso modo, eine unruhige „innere Welt“ auszudrücken, aus denen Elemente an die Oberfläche steigen, hervorgerufen von der interkulturellen Erfahrung der Künstlerin, die sich zwischen der Kultur des Ostens (Meditation), des Westens (Expression) und des heimatlichen Mexico bewegt (hautnahes Erleben). Die andere Laura Anderson ist jene, die ihre persönlichen Sorgen und die ihrer Generation beiseitelegt, um sich intensiv einem Programm zu widmen, in dessen Mittelpunkt etwas steht, was die Ökologen Vielfalt der Arten nennen und die Anthropologen kulturelle Vielfalt.

Es ist ein wesentliches Prinzip der heutigen westlichen Industriegesellschaft, daß alles zunehmend gleichgemacht wird. Zum anderen hat unsere Kultur ein unerhörtes Maß an radikaler intellektueller Überfeinerung (etwa Kasimir Malewitsch, Phillip Glass) erreicht, das einerseits die Manifestationen kultureller Minderheiten unweigerlich an den Rand drängt, andererseits diese kulturellen…

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