Ausstellungen: Köln , 2005

MARTIN SEIDEL

Edward Hopper

Retrospektive

Tate Modern, London, bis 5.9.2004
Museum Ludwig, Köln, 9.10.2004 – 9.1.2005

Hopper ist unvermeidbar. In London strömten 430.000 Menschen in die Tate Modern, um der ikonischen Prägnanz seiner poster- und postkartentauglichen Bilder zu huldigen. Hopper-Bilder gelten noch immer als Inbegriff des amerikanischen Realismus und mobilisieren ganze Heerscharen von Wissenschaftlern. Der Begeisterung ist kein Ende. Das in Sachen Besucherzahlen gebeutelte Museum Ludwig in Köln durfte schon im Vorfeld frohlocken. Der seltene Erfolg der „Blauen Reiter“-Ausstellung im Frühjahr ist dem Museum mit der etwa 60 Ölgemälde, Aquarelle, Graphiken und Zeichnungen umfassenden deutsch-englischen Koproduktion sicher – zudem darf bei Edward Hopper (1882-1967) mit einem weniger betagten Publikum gerechnet werden.

Diese erste deutsche Retrospektive seit über 20 Jahren erlaubt, die reproduktiv gut bekannten, tatsächlich aber fast ausschließlich in amerikanischen Museen und Sammlungen vertretenen Werke aus erster Hand zu schauen und sie zur Abwechslung mal wieder von der „Kunst“, von den Formaten und Farben her zu verstehen. Inhaltliche und thematische Blöcke vermeidet die Schau. Die kuratorische Zurückhaltung ist wahrlich kein Nachteil. Man setzt auf chronologisches Selbstverständnis, das die beherrschenden großen Gruppen der Landschafts-, Stadt- und Menschenbilder dem Lauf der Zeit unterordnet. Edward Hopper, dieser mutmaßlich-vermeintlich amerikanischste aller amerikanischen Künstler wird von seinen Wurzeln her präsentiert und in seiner Entwicklung verstanden. Von Picasso, der mit „Les Demoiselles d‘ Avignon“ die Bildwelt auf den Kopf stellte, und der Avantgarde nahm Hopper keine Notiz, als er 1906-07 und 1909-10 London und Paris besuchte. Stattdessen zeigen nicht nur frühe Arbeiten den Einfluss der Impressionisten. Manet, Degas, Seurat, Pissaro, Vuillard…

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von Martin Seidel

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