Titel: Postmoderne Seele und Geometrie · S. 105
Titel: Postmoderne Seele und Geometrie , 1986

Einzelne Exponenten und Positionen

In der nun folgenden „geordneten Übersicht“ sollen durch differenzierende Gegenüberstellungen und Vergleiche die unterschiedlichen künstlerischen Ansätze, Bezugsfelder und Zielrichtungen einzelner Exponenten der „Neuen Geometrie“ herausgearbeitet werden. (Die Gruppierungen und Zusammenfassungen erfolgen nach thematischen Gesichtspunkten.)

Richard Paul Lohse – Helmut Federle – John M Armleder – Gerwald Rockenschaub

Geometrie: Die Wahrheit und die „erfüllte Leere“.

Die (konstruierte) Konstellation dieser drei Künstler will die hauptsächlich generationsbedingten Unterschiede der künstlerischen Haltungen verdeutlichen. Richard Paul Lohse (1902, Zürich), als einer der Hauptvertreter der Zürcher Konkreten (mit Max Bill, Camille Graeser, Verena Loewensberg) gilt auch heute noch als dogmatischer Verfechter des sozialästhetischen Utopismus aus den Tagen, als Geometrie noch Zukunft gleich Fortschritt gleich Freiheit bedeutete. Seine seriellen und modularen Ordnungen und ihre spezifische Struktur der „mengengleichen, wachsenden Farbordnungen“ und der Standardisierung und Mathematisierung der bildnerischen Mittel stehen in ihrer Reinheit für die identische Übertragung eines utopischen Inhaltes: Die Vision einer geordneten und vernünftigen Gesellschaft. Lohse faßt dies in seinem Programm von 1943/44 mit dem Begriff „Demokratische Bildstruktur“ zusammen.

Gegenüber der stilistischen Einheit eines Lohse nimmt sich Gerwald Rockenschaubs (1952 Linz) heterogene Bildalphabetik, die ein spielerisches vielfältiges Verhältnis zur optischen Kultur unseres Alltages, (Werbung, Comics) und zur Simulations- und Computerästhetik, aber auch zu bestimmten Phänomenen des Wiener Jugendstils herstellt, vergleichsweise wie ein beliebiges Herumflippen aus. Rockenschaubs Bezug zur Elementarsprache der Geometrie besteht nicht wie bei Lohse in der Elementarisierung der Welt in ein standardisiertes System von mathematischen Farbfeldern, sondern als Mittel zur Erstellung eines ästhetischen Überlebensmodells und um das Erreichen einer künstlerischen Handlungsfähigkeit innerhalb einer äußerst komplizierten…

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